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Georgische Regierung investiert in ländliche Gebiete
Was kann man tun, um den Lebensstandard der georgischen Bevölkerung in den ländlichen Gebieten zu erhöhen, ihr Zugang zu den Errungenschaften der Moderne und eines langsam aber stetig prosperierenden Staates zu verschaffen und den jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen, die attraktiv genug sind, um sie von einer Abwanderung in die Städte abzuhalten?

Dies sind die Fragen, denen sich die von der georgischen Regierung beschlossenen und jetzt vom Premierminister persönlich vorgestellte „Erste Nationale Strategie für Ländliche Entwicklung 2017 – 2020“ stellt. Im Zentrum steht das Bemühen um eine Revitalisierung und Modernisierung der georgischen Landwirtschaft. Mit Ausnahme des Weinbaus, warten hier noch viele Bereiche auf ihre Erschließung – in einem Land, das einst als eine der Speisekammern der Sowjetunion galt.
Basierend auf den Standards und Richtlinien der Europäischen Union (EU) formuliert die Strategie einen neuen Ansatz in der ländlichen Entwicklung von Georgien, in dem sie sich ausdrücklich auf die Förderung von Unternehmertum und bürgerlichem Engagement konzentriert und dabei nicht nur den Lebensstandard in den Gebieten erhöhen, sondern auch das reichhaltige Erbe von Natur und Kultur erhalten will. Nachhaltigkeit soll umgesetzt werden in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht.

Entsprechend waren in die Entwicklung der Strategie, neben Vertretern von Parlament und Regierung, auch bereits zahlreiche nationale wie internationale Experten und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen eingebunden.

Was bedeutet das „moderne“ Dorf?
Ein modernes, georgisches Dorf, so der georgische Premierminister Giorgi Kvirikashvili bei der Vorstellung der Strategie, müsse in Zukunft dazu in der Lage sein, seine spezifischen Qualitäten und seinen einzigartigen Beitrag zum Leben und zum Lebensstandard der Gesamtbevölkerung zu entfalten und gleichzeitig auch selbst Zugang zu den Errungenschaften des Staates und der Gesellschaft zu haben, nicht zuletzt durch eine deutlich verbesserte und ausgebaute Infrastruktur mit Straßen, Zugnetzen und Flughäfen.

„Ein Dorf ist dann modern, wenn es sein landwirtschaftliches Potenzial nutzt und Tourismus und Agri-Tourismus ausgebaut hat. Ein modernes Dorf hat Zugang zu einer höheren Qualität von Ausbildung und Gesundheitswesen, und die Bevölkerung nimmt teil an sportlichen und kulturellen Aktivitäten“, so Kvirikashvili. „Ein modernes Dorf erschaffen wir, indem wir moderne Technologien für eine nachhaltige Bewirtschaftung einsetzen. Auch die Gewährleistung von flächendeckendem High-Speed Internet gehört hierzu.“ Auch ein abgelegenes Dorf im Kaukasus müsse via Internet am Geschehen im Land und in der Welt, aber auch an Bildungs- und Unterhaltungsangeboten teilnehmen können.


Auch die Möglichkeit, künftig visafrei in die meisten Staaten der EU zu reisen sei ein wichtiger Beitrag für die Verbesserung der Situation in den ländlichen Gebieten. „Für kleine Unternehmen eröffnet das die Möglichkeit eigene Beziehungen mit möglichen Partnern aufzubauen und an internationalen Messen und Ausstellungen teilzunehmen“, so Kvirikashvili.

Ländliche Entwicklungsstrategie im Detail

Die Strategie konzentriert sich auf drei zentrale Komplexe:
  • Wirtschaftlicher Aufschwung in der Landwirtschaft, Restrukturierung und Modernisierung durch Diversifizierung und die Entwicklung von effektiven Lieferketten
  • Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft durch die Stärkung der agrarbezogenen wertschöpfungsketten und die Förderung verschiedener nicht-landwirtschaftlicher Aktivitäten
  • Entwicklung von Tourismus in ländlichen Gegenden basierend auf der Besonderheit und der einzigartigen, kulturellen Identität der ländlichen Regionen

Eine Verbesserung der sozialen Umstände und Lebensstandards soll erreicht werden durch:
  • Mehr Innovation, Unternehmertum und branchenübergreifende Kooperationen
  • Verbesserung grundlegender ländlicher Infrastruktur (einschließlich der Straßen zu Stätten des georgischen Kulturerbes)
  • Ausbau von qualitativ hochwertigen, öffentlichen Diensten, womit auch Informations- und Kommunikationstechnologien gemeint sind
  • Einbindung der ländlichen Bevölkerung (insbesondere der Jugend und der Frauen) in die Erfassung und Priorisierung örtlicher Bedürfnissen sowie der Suche nach Lösungswegen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie ist der Umweltschutz und die nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen:
  • Verbesserung der Nutzung von Wasser, Wäldern und anderen Ressourcen
  • Förderung von nachhaltigen Systemen von Abfallwirtschaft
  • Aktivitäten, die den negativen Einfluss auf den Klimawandel mindern und minieren sollen und eine Risikoanalyse

Förderung

Der größte Anteil zur finanziellen Förderung der einzelnen Vorhaben, im Haushaltsjahr 2017 mehr als 300 Mio. Georgische Lari (GEL / ca. 112 Mio. EUR) wird aus dem Staatshaushalt kommen.


Die Koordinierung wird beim Ministerium für Landwirtschaft liegen.
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