Wirtschaft
Glück für die georgischen Winzer. Katastrophe für die Haselnussbauern.
Die georgischen Landwirte sehen die letzten Monate mit gemischten Gefühlen. Während die Weinproduktion zuletzt auf Hochtouren lief, bringt eine Insektenplage die Haselnussbauern in die Existenznot.

Exzellentes Jahr für Winzer

Seit der Unabhängigkeit 1992 konnten die georgischen Winzer noch nie eine solche Menge Trauben produzieren, wie in diesem Jahr: 123.000 Tonnen. 70 Millionen Flaschen Wein sollen daraus entstehen, ohne, dass zusätzlich Trauben hinzugekauft werden mussten. Die diesjährige Weinlese sei damit zum vollen Erfolg geworden, so Landwirtschaftsminister Levan Davitashvili. Grund für den Erfolg seien auch staatliche Subventionen, so der Minister. Zahlreiche Betriebe seien seit der Einführung der Fördermittel neugegründet oder modernisiert worden. Einer weiteren Expansion des georgischen Weins auf dem internationalen Markt steht damit nichts im Wege.

Plage vernichtet die Ernte

An anderer Front sieht es hingegen düster aus: Die asiatische Marmorierte Baumwanze hat sich im Westen von Georgien zu einer Plage entwickelt und einen sehr großen Teil der georgischen Haselnussernte vernichtet. Die Nüsse sind ein wichtiges Exportgut des Landes, viele Bauern hängen gänzlich von ihrem Verkauf ab, verkaufen eingelagerte Vorräte im Winter nach und nach, wann immer das Geld knapp wird. Georgien zählte zuletzt zu den fünf weltweit wichtigsten Produktionsländern der Nüsse, die in vielen Lebensmitteln verarbeitet werden. Die Baumwanze hat im Westen des Landes, dem größten Anbaugebiet, wohl bis zu 70% der Ernte vernichtet. Alle von ihr befallenen Nüsse sind verfault.

Viel zu viele Haselnüsse sind verfault in diesem Jahr – schuld ist die Marmorierte Baumwanze (© JamNews)
Viel zu viele Haselnüsse sind verfault in diesem Jahr – schuld ist die Marmorierte Baumwanze (© JamNews)

Mit allen Mitteln gegen die Baumwanzen

Mit Demonstrationen versuchten die Landwirte auf ihre missliche Situation aufmerksam zu machen und forderten staatliche Hilfen. Den Behörden wurde der Vorwurf gemacht, die Gefahr zu spät erkannt zu haben und nicht umgehend mit flächendeckenden Maßnahmen reagiert zu haben. Inzwischen wird die Insektenplage wieder rigoros bekämpft. 21.000 Fallen wurden zusätzlich aufgestellt, eine telefonische Hotline eingerichtet und der Einsatz von Pestiziden erhöht. Die nationale Lebensmittelbehörde erklärte zudem, dass schwere Regenfälle im Frühjahr den Einsatz von Gift gegen die seit 2015 in Georgien beheimateten Käfer verhindert hätten.

Mit Pestiziden soll die Plage bekämpft werden (© JamNews)
Mit Pestiziden soll die Plage bekämpft werden (© JamNews)

Noch dramatischer ist die Situation wohl in der von Russland besetzten Region Abchasien im Nordwesten von Georgien. Die Haselnussernte wird hier in diesem Jahr nach Schätzungen fast 20 Mal kleiner sein als zuletzt. Einzig das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen konnte etwas Abhilfe schaffen, stellte Millionen für den Erwerb von Pestiziden zur Verfügung.
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