Landwirtschaft
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Baumwanzen-Plage bedroht Landwirtschaft in Georgien
In westlichen Teilen von Georgien treibt seit Monaten die marmorierte Baumwanze ihr Unwesen. Georgische Landwirte und Politiker suchen nun internationale Unterstützung um wichtige Ernteerträge zu retten.

Das Insekt hat sich vornehmlich in Haselnusssträuchern verfressen und breitet sich verheerend schnell aus. Die Haselnusswirtschaft gehört mit zu den stärksten Exportzweigen der georgischen Wirtschaft, laut Daten des georgischen Statistikbüros Geostat entsprach der Anteil von Haselnussexporten am gesamten georgischen Exportvolumen 2016 8,5 Prozent. Die Bevölkerung der betroffenen Gebiete ist größtenteils abhängig von der Haselnusswirtschaft und wurde bereits von Schäden aus dem Vorjahr hart getroffen. 2016 verursachte die Insektenplage angeblich Einbußen von EUR 21-24 Mio. in der Haselnusswirtschaft. Aber auch weitere Erzeugnisse, wie Äpfel, Nektarinen, Pfirsiche, Himbeeren, Tomaten, Paprika, Sonnenblumen und Mais sind gefährdet.


Bekämpfung der Plage

Als man bemerkte, dass die Verbreitung des Insekts ein größeres Ausmaß annahm und sich zu einer regelrechten Plag entwickelte, baten die Landwirte um Hilfe der Regierung. Seit März dieses Jahres gibt es nun ein staatliches Programm, das die Verbreitung der Baumwanze bekämpft. In Protesten seit Anfang September, fördern Landwirte Kompensationen für verlorengegangene Ernten. Ob diese Forderungen erhört werden ist jedoch noch unklar.

Die marmorierte Baumwanze © Scientific Research Centre for Agriculture, Georgien

Unterdessen bemühen sich georgische Politiker um internationale Aufmerksamkeit für das Problem. Am 18. September traf der georgische Landwirtschaftsminister Levan Davitashvili den Generaldirektor der Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (EPPO), Martin Ward und brachte dort das Ausmaß der Plage zur Sprache. In dem Treffen beschloss man, gemeinsam gegen die Verbreitung der Baumwanze vorzugehen, ehe sie sich auf weitere Gebiete, auch in Europa, verteilen könne.

Mit EU-Unterstützung und der Beteiligung von Georgien wird ein Team von Experten eine Studie über die marmorierte Baumwanze durchführen und effektive Methoden der Bekämpfung entwickeln. So hofft man, die Pest langfristig eindämmen zu können.


Schaden eindämmen

In der Zwischenzeit geht man in Georgien mit Pestiziden gegen das Ungeziefer vor. Die Nationale Lebensmittelbehörde empfiehlt den Landwirten, die Tiere möglichst während ihrer Überwinterungszeit ausfindig zu machen und zu zerstören, um so einer weiteren Ausbreitung entgegenzuwirken.


„Die Zerstörung einer Baumwanze in der Überwinterungszeit gleicht der Zerstörung von 200 Baumwanzen in der nächsten Saison.“

Nationale Lebensmittelbehörde Georgien


Auch in den von Russland besetzten Gebieten von Abchasien soll die Baumwanze erheblichen Schaden angerichtet haben. Dort befürchtet man einen Befall von circa 80% der Landflächen.

Ganz Georgien hofft nun auf ein Ende der Ausbreitung und insbesondere die Verschonung weiterer Pflanzenarten.


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