Bauwirtschaft
Proteste in Tbilisi gegen Immobilienprojekte in der Innenstadt
Angeführt von Politikern der Parteien Europäisches Georgien und Vereinte Nationale Bewegung demonstrierten gestern mehrere hundert Menschen vor der Stadtverwaltung von Tbilisi. Acht Personen, wurden vorübergehend festgenommen, weil sie sich gewaltsam Zugang zum Gebäude verschaffen wollten.

Anlass für die Proteste war eine anstehende Entscheidung des Stadtrats, zwei zentral gelegene Grundstücke in der Innenstadt zu einem Symbolpreis von 1 georgischen Lari an Immobilien-Investmentfirmen zu vergeben, die sich mindestens teilweise im Besitz des Milliardärs und ehemaligen Premierministers Bidzina Ivanishvili befinden sollen.

Nachdem eine frühere Sitzung zu dem Thema Ende September von wütenden Zuschauerprotesten gestört worden war und schließlich abgebrochen werden musste, sollte die Debatte diesmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Mitglieder des nationalen Parlaments bestanden indes auf ihrem Recht, an Sitzungen kommunaler Ausschüsse jederzeit als Gast teilnehmen zu können. Die Polizei riegelte das Gebäude ab.

Debatten über die Zukunft von Tbilisi

Die Debatte um die Zukunft des architektonischen Gesichts von Tbilisi wird seit vielen Jahren geführt, nimmt immer emotionalere Züge an und droht die Bürgerschaft zu spalten. Begonnen hatte die Diskussion seit der ehemalige georgische Staatspräsident Mikheil „Mischa“ Saakashvili einerseits einen Teil der Altstadt nach historischen Plänen restaurieren und zu einem touristischen Anziehungspunkt machen ließ, gleichzeitig moderne Akzente in Form gigantischer Bauwerke setzen ließ, die das Gesicht der Stadt erheblich veränderten.

Veränderungen am Freiheitsplatz

Kritiker werfen der Stadtverwaltung vor, kein Konzept für die architektonische Entwicklung von Tbilisi zu haben, in dem Geschichte und Moderne ein homogenes Miteinander eingingen.

Diese Kritik verstärkt sich seitdem am zentralen Freiheitsplatz zwei monumentale Gebäude Gestalt annehmen, die beide ebenfalls von Firmen Bidzina Ivanishvilis gebaut werden und alle umliegenden Gebäude bei weitem überragen – oder, wie Kritiker meinen: erdrücken.
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