Innenpolitik
© Ministerium für Umwelt und den Schutz Natürlicher Ressourcen von Georgien
Deutscher Forstexperte hilft nach Waldbränden
Waldbrände in trockenen Sommern sind auch in Georgien, leider, kein unbekanntes Ereignis. Was indes in diesem Sommer, 2017, geschieht, übertrifft an Häufigkeit und Umfang alles je Dagewesene. Nicht nur Verschwörungstheoretiker vermuten politische Sabotage hinter den massiven Zerstörungen.


Tausende Hektar Wald in Flammen

Tausende von Hektar Wald in unterschiedlichen Regionen sind mindestens geschädigt, in einigen Fällen komplett vernichtet. Die Ursachen im Einzelfall sind noch ungeklärt; Brandstiftung oder grobe Fahrlässigkeit - etwa von Wilderern oder Holzräubern - dürfte meist die Ursache gewesen sein. Seit Wochen und phasenweise mit Hubschraubern, Löschflugzeugen und Hundertschaften von Feuerwehrleuten und Soldaten muss in bis zu zehn Regionen gleichzeitig gegen die Flammen gekämpft werden.

Nicht wenige Beobachter unterstellen gar politische Sabotageakte, was nicht gänzlich absurd ist, bedenkt man, dass den anstehenden Regionalwahlen ein teilweise hoch emotionalisierter Wahlkampf vorausgeht und nicht nur die Partei des ehemaligen Staatspräsidenten Mikheil "Mischa" Saakashvili mit teilweise grotesk anmutenden Vorwürfen und Unterstellungen gegen die Regierungspartei "Georgischer Traum" kämpft.


Ganze Landstriche sind den verheerenden Waldbränden in verschiedenen georgischen Regionen zum Opfer gefallen. (© Ministerium für Umwelt und den Schutz Natürlicher Ressourcen von Georgien)


Fünf Jahre Aufforstung in zwei Tagen zerstört

In einem der Seitentäler rund um den Heilkurort Borjomi, zum Beispiel, von dessen heilenden Quellen auch das legendäre Mineralwasser stammt, ist das dramatische Ausmaß der Flammen sichtbar. Binnen weniger Tage und begünstigt durch häufig wechselnde Winde, wurden mehrere hunderte Hektar Jungwald vernichtet, der seinerseits aus einer Wiederaufforstung nach einem Waldbrand während des Augustkriegs 2008 stammte. Damals sollen russische Einheiten die Gegend bombardiert und die Wälder gezielt in Brand gesetzt haben.


Gezielte Erschütterung von Vertrauen in die Regierung?

Dass eine solche Fläche durch natürliche Ursachen - etwa Blitzeinschlag - in Brand gerät, halten Experten für nahezu ausgeschlossen. Der Schaden in diesem Fall geht weit in den gesellschaftlichen Bereich. Das Aufforstungsprojekt war auch ein Projekt mit dem Ziel, die Abwanderung eines ganzen Dorfes zu verhindern. Dessen Bewohner erhielten durch die Waldarbeit jahrelang gute Beschäftigung, und sollten, mit fortschreitendem Wuchs des Waldes, auch an dessen nachhaltiger Nutzung beteiligt werden. Das alles ist nun, zumindest vorerst, zerstört; mancher Dorfbewohner hadert mit seinem Vertrauen in die Regierung. Viele sind bereits in die nahe liegende Türkei gegangen, um dort Arbeit zu finden.

Dr. Helmut Koschel begutachtet die vom Waldbrand betroffenen Gebiete gemeinsam mit Experten des Ministeriums für Umwelt und den Schutz Natürlicher Ressourcen von Georgien.


Deutsche Freundschaft hilft bei Wiederaufforstung

Die Wiederaufforstung solcher Gegenden ist schwierig, kostspielig und erfordert Erfahrung, die in Europa nicht sehr häufig vorhanden ist.

Einer der wohl erfahrendsten Experten zur Verhinderung von Waldbränden einerseits und die Wiederaufforstung nach Waldbränden andererseits, ist Dr. Helmut Koschel, pensionierter Leiter der Bundesforstbehörde Ost. Spontan und unentgeltlich war er dieser Tage in Georgien, um gemeinsam mit Verantwortlichen der Georgischen Nationalen Forstbehörde ins Gelände zu gehen, Brandzonen zu begutachten und Konzepte für eine Wiederaufforstung zu besprechen. – Deutsch-Georgische Freundschaft par excellence.


4 Mio. Euro für eine Waldinventur

Erst vor wenigen Wochen hatte die Bundesrepublik Deutschland rund 4 Mio. Euro genehmigt, dank derer eine dringend notwendige, systematische Bestandsaufnahme der georgischen Wälder durchgeführt werden sollen. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat dafür ein Team von Mitarbeitern nach Georgien entsandt.

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