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Swanetien: Das Herz des Kaukasus
Abgelegen, im Norden Georgiens, liegt Swanetien – ein Juwel der Natur und ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger. Swanetien ist die höchstgelegene, noch bewohnte Region im Kaukasusgebirge und gehört zum UNESCO-Welterbe.

Seit je war Swanetien (Svaneti) eine der wenig berührten Gegenden Georgiens. Die abgelegenen Gebirgstäler boten Schutz nicht nur für Menschen: Viele Schätze aus vielen Epochen wurden über die Jahrhunderte in die schwer zugängliche Berggegend gebracht. Auch kulturelle Traditionen haben sich in Swanetien in einer Form und Reichhaltigkeit erhalten, wie sie selbst im traditionsverhafteten Georgien eine Seltenheit ist. Als unabhängig gelten sie, manchen auch als verschlossen, eigensinnig und stur. Doch wer sie kennenlernt, wird eine Herzlichkeit erfahren und Freunde gewinnen, die durchs Feuer gehen für den anderen.

Swanetien auf den ersten Blick ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Man findet sich in totaler Abgeschiedenheit wieder, weit ab vom Weltgeschehen und der Schnelligkeit der Moderne. Jahrhundertealte Dörfer schmiegen an Bergwände und in Täler. Unbehelligt von technischen Errungenschaften gehen die Bauern und Hirten ihrer Arbeit nach.
So war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Einsamkeit vom Geheimtip zum beliebten Reiseziel wurde. 2010 baute man in der Kleinstadt Mestia einen Flughafen. Die Stadt mit knapp 2000 Einwohnern ist mittlerweile zu einem Zentrum der Region geworden: Gleichsam das Basislager der Touristen, die nach Swanetien kommen, um zu wandern oder die umliegenden Berg zu besteigen. -

Jüngste Entwicklungen – ein Schritt in die Moderne

Es war Georgiens damaliger Staatspräsident Mikheil „Mischa“ Saakashvili, der in den Jahren zwischen 2009 und 2012 aus Mestia ein modernes, „kaukasisch-alpines“ Touristenzentrum machen wollte. Basierend auf einem großen Plan wurden viele der alten Bauten abgerissen und durch neue ersetzt, die tatsächlich mehr an Bergdörfer in der Schweiz und deren typischen Chalet-Stil erinnern, als an kaukasische Dörfer der Vergangenheit. Zwischen dem Neuen indes finden sich noch die typischen Turmhäuser, deren Ursprung in der Zeit zwischen dem 9. und dem 12. Jhdt. liegt. Damals fungierten die Swanen häufig als Torhüter der Passage durch die Berge. Zum Schutz ihrer verstreuten Familien und der vielen, gehüteten Schätze baute man Häuser im Stil kleiner Festungen, mit Wachtürmen, von denen man einerseits die Gegend gut überblicken konnte, und die andererseits konkurrierten miteinander: Je höher der Turm, um so reicher die Familie. In der Toskana findet sich das Gegenbeispiel dazu: Die Türme von San Gimignano.
Auch in Swanetien geben diese Türme, einen wehrhaft robusten, ja: sogar ein wenig störrischen und eigensinnigen Charakter, zugleich aber majestätisch und anziehend.

Es gibt Beobachter, die die Entwicklung Swanetiens in den letzten Jahren mit Sorge betrachten und befürchten, dass die faszinierende, vielschichtige Schönheit und Atmosphäre dieser Gegend vom Tourismus überrumpelt und zertrampelt werden könnte. Die Bewohner indes freuen sich über die wachsende Aufmerksamkeit und entdecken neue Einkommensquellen. Das gastfreundliche Herz der Georgier lacht auch in Swanetien.

UNESCO-Welterbe

Seit 1996 ist Swanetien Teil des UNESCO Welterbes. Grund für die besondere Auszeichnung sind vor allem die beschriebenen Turmhäuser und die mittelalterlichen Strukturen der Region im Allgemeinen. Auch die UNESCO sorgt sich jedoch um die Entwicklung der Region und fürchtet ein Verschwinden eben der Merkmale, die die Gegend so auszeichnen.
So ist Swanetien, bei aller Freude über das große Interesse, gefangen in einem Dilemma zwischen Fortschritt und Tradition, Erhaltung des Alten und Zuwendung zur Moderne. Wer sein Bergdorf liebt, will nicht sein wie der Rest der Welt.

Der Kaukasus

Der höchste Berg in Swanetien ist der Sckhara. Sein Gipfel gehört mit in einer Höhe von 5201m zu den höchsten im Kaukasus.
Tritt man in Mestia vor die Tür, blickt man auf eine enorme Bergkulisse, die selbst für erfahrene Bergsteiger eine Herausforderung ist. Die meiste Zeit des Jahres ist Swanetien mit Schnee bedeckt. Doch im Sommer, für einige wenige Wochen, leuchten die Hänge und Täler in frischem Grün und versprühen einen ganz besonderen Charme. Wer diesem Zauber erliegt, so sagt der swanetische Volksmund, geht Risiken ein, von denen er nicht zurückkehren wird. Zum Beispiel eine Besteigung des Uschba, einem 4737m hohen Doppelgipfel, der zu den am schwierigsten zu besteigenden Bergen der Welt gehört. “Der Uschba holt sich seine Opfer“, erzählen sich die Einheimischen. Auch im Sommer 2017 scheint das der Fall gewesen zu sein: Zwei deutsche Bergsteiger werden vermisst. Die Wahrscheinlichkeit ihrer Rettung ist nach Wochen der Suche gering geworden. Möglicherweise wird man sie zu den Vielen dazu zählen müssen, die niemals wiedergefunden werden. Sie haben das Abenteuer Swanetien mit ihrem Leben bezahlt.

Bildergalerie Swanetien

Swanetiens Türme ©Agenda.ge
Bergbesteigung ©Georgian Journal
Mittelalterliche Festungen ©Georgien Journalnal
Queen Tamar Flughafen in Mestia ©Georgian Journal
Swanetien im Winter ©Georgian Journal
Swanetische Dörfer ©Georgian Journal
Frau in den Bergen ©Georgian Journal
Blick auf den Berg Tetnuldi ©Georgian Journal
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