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Krubera in Georgien - Die tiefste Höhle der Welt
Die tiefste Höhle der Welt ist im westlichen Kaukasus auf dem Gebiet Georgiens zu finden – die Krubera-Höhle (oder Woronja-Höhle) mit circa 2197 Metern stellt mit Abstand die tiefste, bislang bekannte, Vertiefung dar.

1960 wurde die Höhle von georgischen Forschern entdeckt und nach dem russischen Geographen Alexander Kruber benannt – damals wurde die Krubera-Höhle aber erst bis zu einer Tiefe von 90m erkundet. Der einzige bekannte Eingang sieht zunächst auch unscheinbar aus – eine von Felsen gesäumte Spalte auf einer, auf etwa 2260m Höhe im georgischen Kaukasus gelegenen, Bergweide. In engen Passagen führt heut ein Seil an der Höhlenwand Höhlenforscher immer tiefer durch den Kalkstein in den Berg hinein. Teils müssen sie sich abseilen, teils klettern, manchmal springen und immer wieder versperren von Wasser geflutete Gänge den Weg, die nur mit Taucherausrüstung durchschwommen werden können. Der Abstieg ist dementsprechend extrem gefährlich und stellt selbst erfahrenste Speläologen (Höhlenforscher) vor größte Herausforderungen.

Georgien - Heimat der tiefsten bekannten Höhlen

Die Krubera-Höhle liegt im Arabika-Massiv, im Westen von Georgien in der Region Abchasien, die seit dem Krieg von 2008 zwischen Georgien und Russland vom letzteren bis heute völkerrechtswidrig besetzt gehalten wird. In der Umgebung wurden zahlreiche weitere tiefe Höhlen entdeckt, die Sarma-Höhle im selben Bergmassiv mit 1830m Tiefe und die Snezhnaya-Höhle in der Umgebung gelten als zweit- und dritttiefsten Vertiefungen; keine ist aber wie die Krubera über zwei Kilometer tief. Vor der Entdeckung dieser Höhlen wurden die Tiefenrekorde von Höhlensystemen in Frankreich und der Schweiz gehalten.

Erforschung seit 1960 und neue Rekorde

Nachdem georgische Forscher um den Geographen Levan Maruashvili die Höhle entdeckt hatten, wurde die Krubera fast 20 Jahre lang nicht weiter erkundet, eine zu enge Stelle bei -95m machte es zunächst sehr schwer, weiter vorzudringen. Zudem waren bis dahin keine Höhlen in der Gegend bekannt, die viel tiefer als 300m in die Berge hineinreichten. In den 1980ern machten ukrainische Speläologen in der Umgebung der Krubera dann große Fortschritte mit ihrer Methodik, Höhlen systematisch zu erforschen. Sie konnten durch Arbeiten am Fels in der Höhle einige Stellen passierbar machen und dokumentierten eine Tiefe von 340 Metern. In diesen Jahren erhielt die Höhle ihren alternativen Namen, Woronja, nach den Krähen, die gerne im Eingang nisten.

Ab dem Ende der 1990er und nach der Phase der politischen Instabilität in der Folge des Bürgerkriegs in Georgien (1992-1993), wurden dann rasch große Erfolge bei der Erforschung der Krubera gefeiert und ukrainische Forscher notierten eine Tiefe von 1.710m – Weltrekord. Das Forschungsprojekt „Call of the Abyss“ (in etwa: „Der Abgrund ruft“) trieb den Rekord immer weiter und der ukrainische Expeditionsleiter einer der Gruppen des Projekts, Yuri Kasjan, maß 2004 erstmals eine Tiefe von über 2.000m – eine magische Marke in der Speläologie.

27 Tage bis zur tiefsten Stelle


Dabei darf man nicht annehmen, dass es nur darum ginge, einfach immer tiefer abzusteigen. Stattdessen zeigt die Karte der Höhle, dass es vor allem in den größten Tiefen, ab 1.500m zahlreiche Verzweigungen gibt. Sackgassen und geflutete Engpässe erforderten, in mehreren Versuchen einen Weg zu finden, unüberwindbare Hindernisse zu umgehen. Daneben gestaltet sich die Versorgung der Forscher immer schwieriger, je tiefer sie vordringen und je weiter sie von den Eingängen entfernt sind, durch die ihnen neben ihrem mitgebrachten Proviant, Wasser, Lebensmittel, Batterien und andere erforderliche Ausrüstung geliefert werden kann. Zahlreiche Camps sind nötig um während des Abstiegs, bzw. des Wiederaufstiegs Schlafplätze zu haben und Ausrüstung zu lagern. Darüber hinaus müssen auch die Seile, die die Routen markieren regelmäßig überprüft werden.

Verletzungen können zudem leicht tödlich enden und schon ein verstauchter Knöchel stellt viele Hundert Meter entfernt vom Tageslicht ein riesiges Problem dar – dementsprechend vorsichtig gehen Speläologen vor. 27 Tage dauert der Abstieg zum bislang tiefsten bekannten Punkt in der Krubera – ob sie sogar noch tiefer führt wird sich in den kommenden Jahren zeigen, denn Forscher versuchen nach wie vor herauszufinden, ob weitere Passagen vielleicht sogar bis auf Höhe des Meeresspiegels dann insgesamt 2256m tief führen.

Sechseinhalb Eifeltürme übereinandergestapelt sind gemeinsam so hoch, wie die Krubera tief ist. Und selbst in dieser Tiefe und der völligen Dunkelheit wurden in den Jahren der Erforschung noch Lebewesen gefunden, die den Widrigkeiten ein Leben abgetrotzt haben. Die Erforschung der Höhle und ihrer Lebewesen wird also andauern.

Videos der Höhlenforscher

Auf Youtube finden sich zahlreiche Videos von den gefährlichen Versuchen, tief in die Höhle zu gelangen und vermitteln einen EIndruck, wie eng und beklemmend das Unterfangen ist. Ein besonders eindrückliches Video finden Sie hier (externer Link) und ein Video vom Einstieg hier (externer Link).

Karte der Krubera-Höhle




Karte und Relationen der Krubera-Höhle.

©Ukranian Speleological Associaiton
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