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Energiesicherheit
Georgien plant Schwarzmeerleitung zur EU
Die geografische Lage Georgiens hat das kleine Land im Südkaukasus schon immer zu einem Schlüsselpunkt und Drehkreuz der Region gemacht: Vor den Toren Europas stellt es über den Südkaukasus hinweg eine Verbindung zum Mittleren Osten, Zentralasien und sogar Fernostasien dar. Was Georgien einst für den Handel mit Konsumgütern war, will Georgien nun auch für den Energiemarkt werden. Ein Großprojekt sieht eine Stromübertragungsleitung durch das Schwarze Meer hin zur EU vor. Die Verbindung könnte eine entscheidende Veränderung für die Stellung Georgiens bedeuten. Noch liegt das Projekt jedoch in weiter Ferne.

Erneuerbare Energie für die EU

Georgien könnte nicht nur herkömmliche Elektrizität an die EU liefern, sondern vor allem jene, die aus erneuerbaren Energieträgern produziert wird. Und ebenso jene, die die EU so dringend fördern und im Zuge der Energieunion in den Statistiken sehen will. EU-Länder mit unzureichendem Anteil erneuerbarer Energien in ihrem nationalen Energiemix dürften dabei hellhörig werden. Georgien hat hingegen ein ausgiebiges Potenzial an erneuerbaren Energiequellen. Insbesondere Investitionen in Wasserkraft und zu einem kleineren Maße in Windenergie bestimmen den georgischen Energiesektor.

Sollte Georgien in den kommenden Jahren deutlich höhere Produktionskapazitäten erreichen, könnte das Land in der Elektrizität ein nicht ganz neues aber dafür umso begehrteres Exportprodukt gefunden haben. Eines, das sowohl im Sinne der Umwelt als auch der Wirtschaft Nachhaltigkeit garantiert.

Erneuerbare Energie: Ein Großteil des Stroms in Georgien wird durch Wasserkraft gewonnen. (Quelle: Jaba1977, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International License)
Erneuerbare Energie: Ein Großteil des Stroms in Georgien wird durch Wasserkraft gewonnen. (Quelle: Jaba1977, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International License)

Energiesicherheit für Georgien

Für Georgien selbst kann die geplante Leitung über wirtschaftliche Interessen hinaus auch einen Vorteil für die nationale Sicherheit darstellen. Im Falle von Versorgungsengpässen könnte Georgien dann auf Partner aus der EU zurückgreifen. Dies würde zum einen Georgiens Abhängigkeit von anderen Energie exportierenden Ländern deutlich senken. Zum anderen würde es aber auch einer der zentralen Ideen der „Energy Community“ nachkommen – einer Initiative der EU zum Ausbau des europäischen Energiebinnenmarktes nach Südosteuropa und darüber hinaus, der auch Georgien angehört. Der Anschluss an das europäische Stromnetz könnte somit auch die politische Souveränität Georgiens stärken und gleichzeitig Versprechen bereits unterzeichneter Verträge mit der EU einlösen.

Wirtschaftliche Vorteile als Transitland

Wie der Generalsekretär des Europäisch-Georgischen Wirtschaftsrates, Zviad Chumburidze, bestätigt, handelt es sich bei dem Großprojekt, das über drei Milliarden US-Dollar kosten soll, nicht um ein bilaterales Unterfangen zwischen Georgien und der EU. Mehrere Staaten in der Region sind an dem Bau der Schwarzmeerleitung interessiert – so zum Beispiel auch Aserbaidschan und Russland.

Georgien könnte dadurch nicht nur zu einem unabkömmlichen Partner der benachbarten Energiewirtschaften werden, sondern auch wirtschaftliche Vorteile als Transitland genießen. Mit der geplanten Anknüpfung an das europäische Stromnetz in Bulgarien oder Rumänien wäre ein direkter und verhältnismäßig kurzer Zugang zum europäischen Markt für Energieexporte aus Aserbaidschan geschaffen. Georgien könnte dann Transittarife erheben.

Umsetzung bleibt vorerst Zukunftsmusik


So interessant das Vorhaben klingt, so umfangreich und dementsprechend zäh in der Realisierung ist es. Ob und wie es tatsächlich umsetzbar ist, will eine Machbarkeitsstudie herausfinden. Diese befindet sich gerade noch im Anfangsstadium. „Die Idee ist ganz frisch“, sagt Chumburidze. Frisch und potenziell aussichtsreich. Allein für den Abschluss und die Abnahme der Studie erwarte er aber drei bis vier Jahre. Von einer baldigen Erschließung und Instandsetzung der Stromleitung zwischen Georgien und der EU ist somit vorerst abzusehen.

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