Innenpolitik
Anti-Terror-Einsatz in Tbilis: Drahtzieher von Istanbul-Attentat unter den Toten?
Die georgischen Behörden halten die Namen der drei mutmaßlichen Terroristen, die bei einem Spezialeinsatz der Polizei am Mittwoch nach stundenlangem Feuergefecht getötet wurden, weiter unter Verschluss.

Offiziell heißt es, die Identität der drei Toten sei noch nicht sichergestellt. Dem stehen Medienberichte gegenüber, denen zufolge es sich bei einem der Getöteten um Akhmed Chatayev handeln soll. Chatayev wird von internationalen Fahndern für die Planung des Anschlags auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul im Juni 2016 verantwortlich gemacht. Bei dem Anschlag kamen 45 Menschen ums Leben, mehrere Hundert wurden verletzt.

Chatayev, ein Tschetschene mit russischem Pass wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen 2015 für seine Beihilfe für radikalislamistische Terroristengruppierungen auf die Liste internationaler Terroristen aufgenommen. Er soll unter anderem bei der Beschaffung von Waffen und der Ausnildung von Terrorkämpfern mitgeholfen haben. 2012 war Chatayev zudem in Georgien in den sogenannten Lopota-Vorfall in zweifelhafter Rolle verwickelt, wurde aber von den Anklagepunkten freigesprochen. Angeblich hatte Chatayev vor Kurzem Georgien mit Vergeltung gedroht, sollten in Haft sitzende Prediger des „radikalen Islams“ nicht unverzüglich freigelassen werden.

Bewohner können Chatayev nicht identifizieren

Bewohner des Gebäudes, in dem sich den Medienberichten zufolge Chatayev mit zwei anderen mutmaßlichen Terroristen Dienstag nachts bis Mittwochnachmittag verschanzte, konnten ihn anhand von Fotos allerdings nicht als eine der Personen identifizieren, die in der zum Waffenarsenal ausgebauten Wohnung gelebt haben sollen. Vor allem die Tatsache, dass Chatayev nur noch einen Fuß hat und auch einen Arm verlor, sollte ihn relativ leicht zu identifizieren machen.

Die Gerüchteküche kocht auch daher fast über und der Druck auf die georgischen Behörden steigt, die Identität der getöteten Personen so schnell wie möglich zu veröffentlichen

*Titelbild: Die Wohnung, in der sich die mutmaßlichen Terroristen über 20 Stunden lang verschanzt hielten. © Jam-News
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