Besetzte Gebiete
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Condoleezza Rice: „Nicht Sarkozy, sondern ich habe den Waffenstillstand erreicht“
Während man in Georgien weiter darüber streitet, was die eigentlichen „Ursachen“ für den Anfang des Krieges im August 2018 waren und bei wem die tatsächliche „Schuld“ lag, fordert die ehemalige Außenministerin der USA, Condoleezza Rice, die Umschreibung der Geschichte des Endes dieses Krieges.

Nicht, wie bislang einhellig angenommen und von niemand, der vor Ort dabei war, angezweifelt, der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy und sein Team hätten den Waffenstillstand mit Russland ausgehandelt: „Sie haben versucht, einen Waffenstillstand zu erreichen“, sagte Rice in einem Beitrag für die Washington Post anlässlich des 10. Jahrestages des Beginns des Krieges zwischen Russland und Georgien. „Aber es ist ihnen nicht gelungen. Ich allein war es, die das Dokument verhandelt hat, das schließlich den Krieg beendete. Wir saßen in Saakashvili’s Büro, vor uns der französische Entwurf, und arbeiteten die entscheidenden Änderungen ein.“

Zeitzeugen bezweifeln diese Darstellung der US-amerikanischen Diplomatin indes. Tatsächlich, so berichten Beobachter, die damals vor Ort waren, sei die von den Georgiern mehrfach dringend erbetene Ankunft der US-Außenministerin mehrfach hinausgezögert worden – wie es hieß aus „Sicherheitsgründen“: Die russische Armee stand mit Panzern und anderen schweren Geschützen bereits vor Tbilisi, russische Raketen bombardierten die nur knapp 70 Kilometer vom Flughafen Tbilisi entfernt liegende Stadt Gori. Gelandet sei Condoleezza Rice erst, als die von Sarkozy ausgehandelte Waffenruhe bereits in Kraft getreten war. Rice habe sich direkt zur Vorbesprechung einer gemeinsamen Pressekonferenz begeben und dort die Bedingung gestellt, dass sie „mindestens fünf Minuten“ allein mit Präsident Saakashvili vor die Kameras treten könne – ohne den französischen Präsidenten Sarkozy. Und so geschah es.
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