Besetzte Gebiete
© Regierung von Georgien
Der Krieg ist vorbei. Die Bedrohung dauert an: Georgien, 10 Jahre nach dem Augustkrieg. - Teil 2: Russland droht Georgien mit "gravierenden Folgen" bei NATO-Beitritt
Zurückhaltung war nicht zu erwarten: Während in Georgien die Gedenkveranstaltungen für die Opfer des 'Augustkriegs 2008' begannen, drohte der russische Premierminister Dmitri Medvedev, ein eventueller NATO-Beitritt Georgiens würde "einen furchtbaren Konflikt auslösen und katastrophale Folgen haben".

"NATO-Beitritt hätte katastrophale Folgen."

Zugleich erneuerte Medvedev die Legende, dass der Einmarsch Russlands nach Georgien im August 2008 ausschließlich eine Reaktion auf den Versuch Georgiens gewesen sei, einen Krieg gegen Russland zu beginnen.

Russland beruft sich dabei auf eine im Jahr 2010 vorgelegte, vom EU-Ministerrat in Auftrag gegebene Independent International Fact Finding Mission, durchgeführt unter der Leitung der Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini. Diese war zu dem Ergebnis gekommen, dass zum einen der erste Schuss in der Nacht vom 7. auf den 8. August "unzweifelhaft" von georgischer Seite abgegeben worden und außerdem "nicht eine der Erklärungen der georgischen Behörden, die sie als juristische Rechtfertigungsgründe für den Angriff vorgebracht haben, stichhaltig" gewesen sei.

2008 war ein möglicher NATO-Beitritt Georgiens mit Grund für Russlands militärischen Vorstoß gewesen. Der damalige NATO-Gipfel in Bukarest (nur vier Monate vor dem Augustkrieg) hatte in seiner Abschlusserklärung festgehalten, dass Georgien letztendlich der NATO beitreten werden – auch wenn kein genaues Beitrittsdatum genannt wurde. Ähnlich wie heute reagierte Moskau damals entrüstet und drohte mit Konsequenzen im Falle einer weiteren Annäherung zwischen Georgien und der NATO.

Russlands hohle Legende vom Verteidigungskrieg

Später aufgetauchte, von den EU-Experten aus unerfindlichen Gründen unberücksichtigt gelassene Beweismittel - darunter Fotografien, aufgenommen von US-amerikanischen und europäischen Satelliten - zeigen indes, dass die zweite, wesentliche Schlussfolgerung des sogenannten "Tagliavini-Reports" nicht den Tatsachen entsprach: "Insbesondere drohte keine groß angelegte russische Militärinvasion, die durch das georgische Militär hätte gestoppt werden müssen."

In Wahrheit hatte Russland über Wochen, wenn nicht Monate hinweg Soldaten und schweres Gerät, darunter Dutzende von Panzern in die Region Süd-Ossetien gebracht, von wo aus sie nach dem "Angriff" Georgiens in besagter Nacht unverzüglich losrollten und mit brutalster Gewalt gegen Dörfer und Siedlungen entlang der Straße nach Tbilisi vorgingen.

Georgien: Über unsere Zukunft entscheiden wir allein

Von Journalisten gefragt, weshalb er, seinerzeit die russischen Truppen kurz vor Tbilisi stoppen ließ, antwortete Medvedev: "Wir wollten weder einen Rachefeldzug, noch wollten wir Georgien zerstören. Unser einziges Ziel war es, Ruhe und Ordnung dort wiederherzustellen, wo sie von Georgien gestört worden war."

Mitglieder der georgischen Regierung reagierten gelassen auf Medvedev Äußerungen: "Die Entscheidung, welchem Bündnis Georgien die Verteilung seiner Freiheit anvertraut, trifft Georgien selbst", verkündete der georgische Verteidigungsminister.


Premierminister Mamuka Bakhtadze auf der Gedenkfeier anlässlich des 10. Jahrestages des Augustkriegs von 2008. © Regierung von Georgien

Tsikhelashvili: "Nichts bringt uns ab vom Kurs der Versöhnung."

Die Staatsministerin für Versöhnung und Integration, Ketevan Tsikhelashvili sagte: "Wir kennen die Darstellungen Russlands, wenn es um diesen Krieg geht. Und die Welt weiß heute auch, woran es dem seinerzeit erstellten Bericht über die Ursachen und Zusammenhänge dieses Krieges gemangelt hat. Insofern gehen die Aussagen, die wir jetzt wieder aus Moskau hören, ins Leere. Und nichts wird Georgien von seinem Entschluss abbringen, auf eine Versöhnung und Wiedervereinigung hinzuarbeiten."

Zu den Gedenkveranstaltungen anlässlich des 10. Jahrestages des 'Augustkriegs' sind zahlreiche, hochrangige ost-europäische Politiker nach Georgien gereist. Die Initiative dazu ging von den Regierungen Polens und Litauens aus.

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