Politik
Kakhaber Kemoklidze, georgischer Vertreter bei den Gesrpächen in Ergneti (© Staatlicher Sicherheitsdienst von Georgien)
Übergabe von Tatunashvilis Leichnam weiter verzögert
Seit einer Woche verweigert die De-facto Regierung von Tskhinvali / Süd-Ossetien die Überführung des Leichnams des georgischen Staatsbürgers Archil Tatunashvili nach Georgien. Tatunashvili war unter fadenscheinigem Grund festgenommen und unter nach wie vor ungeklärten Umständen während des Verhörs oder im Untersuchungsgefängnis ums Leben gekommen.

Die Behörden in Tskhinvali bestehen darauf, dass derzeit eine Untersuchung der Todesursache von „unabhängigen“ Experten in Russland durchgeführt werde und man den Leichnam erst übergebe, wenn das Ergebnis dieser Untersuchungen vorliege. Genau diese „Unabhängigkeit“ wird von Vertretern der georgischen Regierung und internationalen Beobachtern indes in Frage gestellt, da Russland als Besatzungsmacht in Süd-Ossetien kaum an einer Aufklärung eines etwaigen Verbrechens gegen einen Georgier interessiert sein werde.

Während ihm die De-Facto-Behörden der besetzten Region „Verbrechen während des Krieges im August 2008“ vorwerfen, besteht die georgische Seite darauf, dass Tatunashvili zu dieser Zeit gar nicht in Georgien gewesen sei, sondern als Soldat im Irak gekämpft habe. Auch bleibt unklar, weshalb die Verhaftung erst jetzt stattgefunden hat, obwohl Tatunashvili seit Jahren die Erlaubnis hatte, ungehindert in die besetzte Region zu fahren, um dort sein Obst und sein Gemüse zu verkaufen.

Was verbirgt Tskhinvali?

Der Verdacht jedenfalls erhärtet sich, dass durch das Verzögern einer Übergabe des Leichnams eine Obduktion erschwert und die tatsächliche Todesursache vertuscht werden soll. Dafür sprechen auch verschiedene Angebote, die angeblich seitens der De Facto-Regierung gemacht worden sein sollen. Demzufolge soll eine Beerdigung des Leichnams auf süd-ossetischer Seite und zuvor verschlossenen Sarg angeboten, aber von Vertretern der georgischen Seite abgelehnt worden.

Für die Vermutung, dass Tatunashvili unter anderen Umständen zu Tode kam, als von Tskhinvali behauptet, spricht auch, dass seit der ersten Meldung zu dem Geschehen die angebliche Todesursache mittlerweile drei Mal geändert wurde. Hieß es zuerst, er sei in einem Handgemenge eine Treppe hinuntergestürzt und den Verletzungen erlegen (LINK), erklärte man in den Tagen danach, ein Herzversagen habe zu seinem Tod geführt, nur um gestern zu verlautbaren, dass Tatunashvili an plötzlicher Atemnot gestorben sei.


Szene am Rande des Treffens der Konfliktparteien in Ergneti. (© Civil.ge)

Eklat in Ergneti


Auch das gestern im Rahmen des Incident Prevention and Response Mechanism (IRPM) unter Vorsitz von Europäischer Union und OSZE stattgefundene Treffen in Ergneti brachte keine neuen Erkenntnisse. Vielmehr zeigte es, wie verhärtet die Fronten sind. Der georgische Vertreter bei den Gesprächen berichtete später, dass er das Treffen nach mehreren Stunden entnervt verlassen habe. „Ich konnte in dreieinhalb Stunden nicht eine einzige klare Antwort erhalten, weder was die Übergabe des Leichnams von Tatunashvili betrifft, noch zur Freilassung von Kutashvili und Pavliashvili nach Georgien,“ so Kakhaber Kemoklidze, der für Georgien am IRPM in Ergneti teilnimmt. Levan Kutashvili und Ioseb Pavliashvili waren zusammen mit Tatunashvili verschleppt worden und befinden sich nach Angaben aus Tskhinvali inzwischen unter Hausarrest, können Süd-Ossetien aber nicht verlassen, weil man ihre Ausweisdokumente einbehalten hat. Die georgische Seite mutmaßt, dass die beiden den Vorfall, der zum Tod ihres Freundes führte, beobachtet haben könnten und somit als Zeugen aussagen könnten.

Internationale Unterstützung

Mittlerweile hat sich eine lange Reihe an internationalen Organisationen und Staaten zu dem Vorfall geäußert und die sofortige Herausgabe des Leichnams sowie unabhängige Untersuchungen gefordert. Zudem wurde von verschiedenen Akteuren auf die Einrichtung besserer Kommunikationsmechanismen an der Verwaltungslinie gedrängt – ein Vorhaben, das die georgische Regierung seit Langem verfolgt. Mehrere Bürgerrechtsorganisationen aus Georgien nutzen ihre internationalen Kontakte genauso, um Druck auf Tskhinvali und Russland auszuüben, wie der Patriarch der georgisch-orthodoxen Kirche, Ilia II., der sich mit seinem russischen Amtskollegen zu dem Vorfall verständigen will. Das georgische Parlament wird in den nächsten Tagen eine Resolution zum Fall Tatunashvili verabschieden.

Klare Worte aus der Politik

Bei einem Besuch der Familie von Tatunashvili versicherte Premierminister Giorgi Kvirikashvili, dass die Regierung alles in ihrer Macht stehende tun und mit allen verfügbaren Mitteln weiter versuchen werde, den Leichnam zu erhalten und ihn der Familie übergeben zu können. Er nannte den Vorfall eine Tragödie, die das ganze Lande betreffe und ein Versuch sei, um Georgier, Abchasen und Süd-Osseten zu spalten und Annäherungsversuche zu unterminieren. Seine Regierung werde dem zum Trotz weiter am obersten Ziel der Wiedervereinigung arbeiten. Nichts könne diesen Prozess aufhalten.


Print E-mail
FaceBook Twitter Google
Ähnliche Nachrichten
Der designierte Premierminister, Mamuka Bakhtadze, hat dem Georgischen Parlament in einer außerordentlichen Sitzung sein Regierungsprogramm vorgelegt. Es trägt den Titel „Freiheit, rasante Entwicklung, Wohlstand“ und konzentriert sich auf vier Schwerpunkte: Eine inklusive, florierende Wirtschaft, Sicherheit und Verteidigung, die Wiedererlangung territorialer Integrität und die georgische Integration in die Europäische Union und die NATO.
Drei Personen in drei Tagen: Drei georgische Staatsbürger wurden jüngst an der Verwaltungslinie zu Süd-Ossetien / Tskhinvali von Truppen des De-facto-Regimes in den von Russland besetzten Teil von Georgien verschleppt.
Ein georgischer Landwirt ist an der Verwaltungslinie zwischen Georgien und der von Russland besetzten Region Süd-Ossetien / Tskhinvali von Soldaten des De-facto-Regimes verschleppt worden. Augenzeugen zufolge befand sich der Mann auf der von Georgien kontrollierten Seite der Verwaltungslinie.
Der designierte Premierminister von Georgien, Mamuka Bakhtadze, plant eine Verringerung der Anzahl der Ministerien von vierzehn auf elf. Drei Ministerposten sollen neu besetzt werden.