Politik
Internationale „Besorgnis“ angesichts des „Falls Tatunashvili“ in Süd-Ossetien
Der tödliche Vorfall in Tskhinvali / Süd-Ossetien sorgt international für Empörung. Mehrere EU-Mitgliedsstaaten und internationale Organisationen forderten eine umgehende Übergabe des Leichnams und die Möglichkeit für eine unabhängige Untersuchung der Todesursache. Süd-Ossetien verweigert indessen beides hartnäckig.

Neben der EU, Deutschland, sowie weiteren europäischen Staaten, äußerten sich UN-Generalsekretär António Guterres, der Hohe Flüchtlingskommissar der UN, Filippo Grandi, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE), der Europarat, die NATO, oder das Außenministerium der USA zu dem Vorfall.

Berlin zeigt sich besorgt


Die Sprecherin der Europäischen Union für Außenpolitik, Maja Kocijancic, bezeichnete den Tod Tatunashvilis und die Verschleppung zweier weiterer georgischer Staatsbürger als „Anlass zu großer Sorge“. Das Auswärtige Amt in Berlin pflichtete der Aussage bei. Beide forderten zudem, dass weitere Maßnahmen zur Vertrauensbildung und zur größeren Transparenz in dem Konflikt eingeleitet werden müssten. Gleichfalls müsse der Vorfall umgehend unabhängig und transparent aufgeklärt werden. Diese Forderungen wurden von zahlreichen weiteren Akteuren wiederholt.

Tskhinvali verweigert sich unabhängigen Ermittlungen


Von Tskhinvali / Süd-Ossetien wurde das Drängen der georgischen Regierung, einem unabhängigen Team an Ermittlern Zugang zum Territorium zu gewähren, um die Todesumstände festzustellen, konsequent abgelehnt. Weiter halten die dortigen De-facto Behörden an ihrer Version fest, dass Tatunashvili mit zwei weiteren Personen mit dem Vorwurf des Völkermords „festgenommen“ worden sei und zum Verhör in die Hauptstadt der Region gebracht wurde. Dort habe er versucht, an die Waffe eines Polizisten zu gelangen und sei in den folgenden Handgreiflichkeiten eine Treppe hinuntergestürzt.

Die Verletzungen, die er sich dabei zugezogen haben soll, seien die Ursache für seinen Tod. „Unabhängige“ Ermittlungen würden von Experten in Russland durchgeführt. Bevor die Ergebnisse dieser Untersuchungen nicht vorlägen, werde man auch den Leichnam des Verstorbenen nicht nach Georgien überführen.

Zweifel an der offiziellen Version des Vorfalls mehren sich

Nicht nur georgische Medien bezweifeln, dass auf diese Weise die wahren Umstände ans Licht kommen. Auch die Angaben zum Vorfall selbst werden in Georgien angezweifelt.

Ein tragischer Höhepunkt in einer langen Reihe an Provokationen


Vielmehr geht man in Georgien davon aus, dass Tatunashvili getötet wurde – unter welchen Umständen auch immer, ob vorsätzlich oder nicht. Die Staatsministerin für Versöhnung und Bürgerliche Gleichstellung, Ketevan Tsikhelashvili, sagte, die von den De-facto Behörden in Tskhinvali herbeigeführte Verzögerung bei der Überführung des Leichnams nähre die Vermutung, dass Spuren verwischt werden sollen, die auf eine andere Version des Vorfalls hindeuten könnten. Zudem seien die von russischen Medien in den besetzten Gebieten verbreiteten Darstellungen sehr widersprüchlich.

Georgien fordert bessere Kommunikation


Kein anderes Ereignis im Konflikt um die besetzten georgischen Gebiete führte in den letzten Monaten zu einer vergleichbaren Reaktion. Der Tod von Tatunashvili stellt nach Ansicht der meisten Beobachter einen tragischen Höhepunkt in einer langen Reihe an Provokationen und Menschenrechtsverletzungen durch die abchasische, die süd-ossetische und die russische Seite dar. Im Mai 2016 war der georgische Staatsbürger Giga Otkhozoria an einem Übergang an der Verwaltungslinie von einem abchasischen Polizisten ermordet worden; der Polizist hatte dabei sein Opfer von abchasischer Seite aus bis auf georgischen Boden verfolgt und war anschließend zurück nach Abchasien geflohen. Trotz eindeutiger Feststellung seiner Identität wurde er weder ausgeliefert noch einem Gericht zugeführt.
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