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Eine Östliche Partnerschaft der verschiedenen Geschwindigkeiten?
Die Mitglieder des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments empfehlen für das in wenigen Wochen anstehende Gipfeltreffen der Östlichen Partnerschaft (EaP) unter anderem die Einrichtung eines Treuefonds für Georgien, Moldawien und die Ukraine.

Mit einem solchen Fonds könnten private und öffentliche Investitionen in die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur in den drei Ländern gefördert werden, so die Hoffnung der Ausschussmitglieder. Der im November anstehende Gipfel müsse laut der Berichterstatterin des Parlaments, Laima Andrikiene, eine neue Dynamik in die Östliche Partnerschaft einbringen und den verschiedenen Interessen der sechs Mitglieder Respekt zollen.
Die Ukraine, Moldawien und vor allem Georgien sind sehr an einer noch engeren Partnerschaft mit der Europäischen Union interessiert, während Weißrussland, Armenien und Aserbaidschan in dieser Hinsicht zögerlicher sind und bislang auch nicht von den selben Abkommen mit der EU profitieren. So haben nur die drei erstgenannten Länder Freihandels- und Visaabkommen mit der Union ausgehandelt und umgesetzt.

Schrittweise integrieren

Der Ausschuss empfahl eine Östliche Partnerschaft der verschiedenen Geschwindigkeiten auf dem Gipfel zur Diskussion zu stellen. Somit solle Georgien, Moldawien und der Ukraine entgegengekommen werden, die laut Ausschuss bereits zahlreiche Reformen nach Vorbild der EU realisiert hätten. Diesen Ländern solle schrittweise immer mehr Vertrauen geschenkt werden und die Möglichkeit gegeben werden, beispielsweise der europäischen Zoll- oder Energieunion, möglicherweise auch dem Schengenraum, beizutreten.

Wirtschaftliche Entwicklung fördern

Zugleich müsse die Östliche Partnerschaft von EU-Seite darauf ausgerichtet sein, wirtschaftliche Reformen in den sechs Partnerländern zu fördern und dadurch unter anderem den Einfluss von Oligarchen zu verringern. Auch solle der Druck auf die Russische Föderation aufrechterhalten werden, die Konflikte in Abchasien, Süd-Ossetien, Transnistrien und der Ostukraine zu lösen, im letzteren Fall durch die Aufstellung einer OSZE-Polizeieinheit. Die Abgeordneten erkannten auch die großen Fortschritte in den Partnerländern seit dem letzten EaP-Gipfel 2015 an.

Ausblick

Die Empfehlungen des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten werden im November vor dem Gipfel dem Europäischen Parlament zur Abstimmung vorgelegt werden. Vom Gipfel selbst erwarten Beobachter grundlegende Botschaften der EU an die sechs Partnerländer der Union im Osten.
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