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Präsidentschaftswahlen: Stichwahl muss entscheiden
Mit einer schmerzlichen Überraschung für die Regierungspartei "Georgischer Traum" und die von ihr unterstützte, unabhängige Kandidatin Salome Zurabishvili endete die erste Runde der Wahlen für das Amt des künftigen Staatspräsidenten.

Nach Auszählung von 99,5% aller abgegebenen Stimmen kam die in Frankreich geborene und aufgewachsene, frühere französische Diplomatin und kurzzeitige georgische Außenministerin auf 38,66%. Grigol Vashadze, der Vertreter der Partei des ehemaligen Staatspräsidenten Mikheil "Mischa" Saakashvili, kam auf 37,7%.

Keine Chance für kleinere Parteien

Auf dem dritten Rang folgt Davit Bakhradze, Kandidat der Partei „Europäisches Georgien“ mit 10,97%. Enttäuschend fiel erneut das Ergebnis für die Republikanische Partei - der Schwesterpartei der deutschen FDP - aus: Ihr Kandidat, der ehemalige, langjährige Parlamentspräsident Davit Usupashvili erhielt nur knapp 2,8%.

Weit gefehlte Voraussagen der Regierungspartei

Damit entspricht das Ergebnis nahezu exakt den Vorhersagen des oppositionellen TV-Senders Rustavi2 und eines weiteren, unabhängigen Umfrageinstituts. Beide hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Zurabishvili und Vashadze mit ca. 40% für jeden der beiden Kandidaten vorausgesagt.

Die Voraussagen der Regierungspartei "Georgischer Traum" hingegen, erwiesen sich als Fehleinschätzung der politischen Stimmung im Land. Noch am Wahlabend hatte der Vorsitzende von "Georgischer Traum", Bidzina Ivanishvili, 52% aller Stimmen und eine "unzweifelhafte absolute Mehrheit im ersten Wahlgang für Salome Zurabishvili" vorausgesagt. Der Oppositionskandidat Grigol Vashadze habe keine Chance. Der Bürgermeister von Tbilisi und Generalsekretär der Partei "Georgischer Traum" Kakha Kaladze hatte Zurabishvili kurz nach Schließung der Wahllokale sogar bereits zu ihrem "überzeugenden Wahlsieg" gratuliert.

Stichwahl binnen sechs Wochen

Ein Termin für die Stichwahl steht noch nicht fest. Laut Verfassung muss sie innerhalb von sechs Wochen nach dem ersten Wahlgang erfolgen.

Beobachter befürchten eine Verschärfung des ohnehin schon stark polarisierenden, von gegenseitiger Diffamierung und versuchter Diskreditierung geprägten Wahlkampfs. Vertreter aller Parteien riefen die Bürger dazu auf, ruhig zu bleiben und sich an "demokratische Regeln" zu halten.
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