Politik
Quelle: Screenshot / https://de.sputniknews.com
Russische Nachrichtenagentur: Gezielte Falschinformation zu Protesten in Georgien
Ein Beispiel für die Arbeit der russischen Propagandamaschine zur gezielten Verteilung von Falschinformationen hat der deutsche Ableger der russischen Nachrichtenagentur Sputnik News geliefert. Ein Bericht der Agentur zu einem Protest in Georgien enthält nachweislich falsche Inhalte.

Mit einem bedrückenden Titelbild und der Überschrift „Georgien: Spezialkräfte und Hunderte Polizisten am Parlamentsgebäude zusammengezogen“ (siehe Titelbild / Screenshot) erweckt Sputnik den Eindruck, dass der georgische Staat mit aller Härte gegen eine Gruppe friedlicher Demonstranten vorgehen wolle und deren Recht auf freie Meinungsäußerung beeinträchtige. Dazu schreibt Sputnik von einer „immer angespannteren“ Atmosphäre und angeblicher Polizeigewalt gegen die Demonstranten.

Beim Betrachten des Titelfotos fällt jedem Beobachter der Entwicklungen und Ereignisse der letzten Jahre in Georgien indes sofort auf: Diese vermummten und schwer bewaffneten Spezialeinheiten sind nicht im Einsatz gegen Demonstranten. Tatsächlich entstand das Foto während eines aufsehenerregenden Einsatzes der georgischen Sicherheitskräfte gegen eine Terrorzelle in Tbilisi im vergangenen November. Die armenische Nachrichtenseite Tert benutzte dieses Foto (in Originalgröße) beispielsweise in einem Bericht zum Anti-Terroreinsatz am 23.11.2017 (externer Link). Und auch Sputnik selbst benutzte ein Foto derselben Gruppe Polizisten aus einem anderen Winkel in seinem Bericht zum Einsatz am 24.11.2017 (externer Link).

Soweit das Titelbild. Hinsichtlich der Fakten hält sich Sputnik näher am tatsächlichen Geschehen, nutzt aber geschickt Auslassungen und Übertreibungen aus, um ein möglichst dunkles Bild zu malen. Aus dem alten Parlamentsgebäude wird das „Parlament“ und aus geschätzt hundert Polizisten Hunderte. So wird auch nicht beschrieben, dass die Polizei das Camp einer in den letzten Tagen immer kleiner gewordenen Gruppe Demonstranten von der zentralen Verkehrsader der Hauptstadt entfernt hat, da keine Notwenigkeit mehr bestehe, den Demonstranten diesen Raum zu gewähren, so die Ombudsfrau Nino Lomjaria. In den Tagen zuvor hatten die Ordnungshüter den Demonstranten die Besetzung der Fläche gewährt. Unerwähnt bleibt zudem, dass die Mitglieder der Oppositionspartei „Vereinte Nationale Bewegung“ um ihren Vorsitzenden Nika Melia erst in vorübergehenden Gewahrsam genommen, vom Platz vor dem Parlament getragen und danach wieder freigelassen wurden, nachdem sie sich mehrfach über Verbote der Polizei hinweggesetzt und sich gesetzeswidrig verhalten hatten.
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