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Aserbaidschanischer Journalist aus georgischem Exil nach Aserbaidschan entführt
Der im georgischen Exil lebende, regierungskritische, aserbaidschanische Journalist Afgan Mukhtarli scheint Opfer einer Entführung geworden zu sein, die es zum Ziel hatte, ihn den Behörden in seinem Heimatland zu übergeben.

Laut Aussage seiner Frau befand sich Mukhtarli am Abend des 29. Mai auf dem Weg nach Hause, als er zunächst spurlos verschwand. Am Morgen des 30. Mai meldete sich Mukhtarli aus einem Gefängnis in Aserbaidschan wieder, wo ihm offenbar ein Haftbefehl wegen unberechtigten Grenzübertritts, Bargeldschmuggel und anderen Delikte ausgehändigt worden war.

Mukhtarlis Angaben zufolge sei er von "georgisch sprechenden Männern" in ein bereit stehendes Auto gezerrt worden. Anschließend habe man ihm einen Sack über den Kopf gestülpt und sei in mehreren Etappen nach Aserbaidschan gefahren. Mindestens drei Mal hätten die Entführer dabei das Fahrzeug gewechselt. Beim ersten Zwischenhalt, vermutlich am Stadtrand von Tbilisi, habe man ihn brutal zusammen geschlagen und mit Fußtritten traktiert. Erst im Gefängnis in Baku habe man ihm den Sack wieder vom Kopf genommen.

Einer offiziellen Stellungnahme des georgischen Innenministers zufolge stehe die georgische Regierung im Kontakt mit den zuständigen Behörden in Aserbaidschan, um den Vorfall aufzuklären.

Der freiberufliche Journalist war nach Angaben von Amnesty International bereits 2015 ins Exil nach Georgien geflohen, aus Angst vor Verfolgung aufgrund seiner Investigativrecherche über einen möglichen Korruptionsskandal um Aserbaidschans Präsidenten Ilham Aliyev.

Levan Asatiani, Amnesty Internationals Verantwortlicher für den Südkaukasus, nannte den Vorfall eine „zutiefst betrübende Entwicklung“. Er forderte die sofortige und bedingungslose Freilassung von Mukhtarli.

Aserbaidschans Behörden sollen indes ausgerichtet haben, Mukhtarli sei im Grenzgebiet zwischen Georgien und Aserbaidschan aufgegriffen worden. Er solle versucht haben die Grenze unkontrolliert und mit €10.000 in bar zu überqueren. Der Anwalt des verschleppten Journalisten widerspricht: das Geld sei seinem Mandat untergeschoben worden, während dieser bewusstlos gewesen war.

„Dieses Kidnapping ist schäbig und feige. Keiner wird auch nur für eine Minute glauben, dass Mukhtarli freiwillig versucht haben soll nach Aserbaidschan einzureisen, nachdem er vor der dortigen Verfolgung geflohen ist. sollten die aserbaidschanischen Behörden Beweise für etwaige Gesetzesverstösse von Mukhtarli haben, so hätten sie diese vorlegen und einen Antrag auf Auslieferung stellen können.“

- Giorgi Gogia, Abteilungsleiter Südkaukasus, Human Rights Watch.

In Tbilisi versammelten sich Menschenmengen vor Regierungsgebäuden. Sie fordern die georgische Regierung auf, Druck auf die aserbaidschanischen Behörden auszuüben, um die Freilassung von Mukhtarli zu erwirken.




Hinweis:

Deutschlandfunk

Der Online-Dienst von Deutschlandfunk veröffentlichte zur Entführung des aserbaidschanischen Journalisten einen Audio-Beitrag (externer Link). Im Gespräch mit Brigitte Baetz erfährt Ulrike Gruska, dass dieses Vorgehen in Aserbaidschan System habe.


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