Kultur
Quelle: Facebook / TBC Bank
„Russian Journal Revisited“ – Ausstellung des deutschen Fotografen Thomas Dworzak in Tbilisi
Einen der Höhepunkte des heute zu Ende gehenden Fotofestivals in Tbilisi markierte die Ausstellung „Russian Journal Revisited“ des deutschen preisgekrönten Fotografen Thomas Dworzak und des britischen Schriftstellers Julius Strauss.

Auf den Spuren ihrer Vorgänger

Dworzak und Strauss begaben sich für ihr Projekt auf die Spuren des US-amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck („Früchte des Zorns“), der gemeinsam mit dem Fotografen und Gründer der Fotoagentur Magnum Photos, Robert Capa, vor 70 Jahren durch Georgien, den Kaukasus und Russland reiste. Vor allem die Menschen und das alltägliche Leben standen im Mittelpunkt der ersten Reise, die zu Beginn des Kalten Krieges durch die Sowjetrepublik unter der Herrschaft Stalins führte und im Bericht „A Russian Journal“ mündete. In der modernen Variante gibt Julius Strauss den Steinbeck und Thomas Dworzak den Capa und das Produkt ihrer Reise heißt in Hommage an die Vorgänger „Russian Journal Revisited“.

Das Russland und das Georgien, das sie bereisen, hat wenig gemein mit der Sowjetunion und doch finden sich Parallelen, wobei die momentane Eiszeit in den Beziehungen zwischen Ost und West nur die offensichtlichste ist, manch ein Kommentator spricht bereits vom nächsten „Kalten Krieg“. Dworzak fand, wie vor ihm Capa, Menschen in traditionellen Gewändern, Industrieanlagen oder zerstörte Gebäudestrukturen. War es damals dies Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg, so ist es heute ein Georgien nach dem Krieg mit Russland.

Dworzaks Aufnahmen im Fokus in Tbilisi


Anlässlich des Fotofestivals standen in Tbilisi die Aufnahmen von Dworzak im Fokus. Nicht mehr in Schwarz-Weiß, wie bei Capa, sondern in Farbe fangen die Fotos das Leben der Menschen und die von Menschen geschaffene Kulturlandschaft ein. Mal ist es ein Einblick in ein georgisches Museum über die sowjetische Besatzungszeit, mal ein verrosteter Metallsteg an der Schwarzmeerküste, von dem ein Schwimmer gerade abspringt, um in der Phantasie des Betrachters im nächsten Moment per gedrehtem Hechtsprung in den Wellen zu landen. In jedem Fall sind Dworzaks Fotos abwechslungsreich, nicht nur im Motiv, sondern auch in der Farbgestaltung, im Kontrast, in der Helligkeit und in der Interaktion zwischen Mensch und Umgebung.

Dworzak wuchs in Kötzting und Cham in der Oberpfalz auf und lebte in den 90ern in Tbilisi, von wo aus er zahlreiche bewaffnete Konflikte in der Region auf Bild festhielt. 2001 erhielt Dworzak einen ersten Preis für seine bildliche Berichterstattung über den Konflikt in Tschetschenien auf der World Press Photo. Seit 2004 arbeitet er für Magnum Photos.
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