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Georgischer Schriftsteller Margvelashvili für Nobelpreis nominiert
Givi Margvelashvili, der dieses Jahr 90 Jahre alt wird, ist ein ganz besonderes Bindeglied der deutsch-georgischen Beziehungen. Nun, nach einem ganzen Leben des Schreibens, wird ihm mit der Nominierung für den Nobelpreis auch eine ganz besondere Ehre zuteil.

Geboren 1927 in Berlin, als Kind georgischer Eltern, wuchs Margvelashvili zunächst in Deutschland auf. Sein Vater Titus von Margvelashvili war 1921 in Folge der sowjetischen Invasion aus Georgien geflohen. 1945 lebten Vater und Sohn im britischen Sektor Berlins, wurden dann jedoch durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD nach Ostberlin gelockt und verhaftet. Vater Titus wurde kurzerhand nach Moskau deportiert und dort nach monatelanger Befragung und Folter unter Anschuldigung des Verrats erschossen. Sein Sohn Givi indessen wurde im Speziallager Sachsenhausen festgehalten und 18 Monate später nach Georgien verschleppt um auf Befehl des NKWD bei Verwandten einquartiert zu werden.

Dort studierte er an der Europäischen Fakultät der Tbilisser Universität erst Englisch und dann Deutsch um später viele Jahre als Deutschlehrer am Pädagogischen Fremdspracheninstitut zu arbeiten. Erst gegen Ende der 80er Jahre erlaubte man ihm einen Besuch in Westberlin, mehr als 40 Jahre nachdem er gezwungenermaßen von dort weggegangen war. Nach 1993 lebte Margvelashvili einige Jahre in Berlin, bekam die deutsche Staatsbürgerschaft und ein Ehrenstipendium des Bundespräsidenten verliehen und richtete sich 2011 einen Zweitwohnsitz in Tbilissi ein.

Givi Margvelashvili besitzt sowohl die deutsche als auch die georgische Staatsbürgerschaft und fungiert in vielerlei Hinsicht als wertwolle Brücke zwischen den beiden Ländern. Seine Bücher jedoch schreibt er hauptsächlich in deutscher Sprache.

Margvelashvili wurde bereits mit mehreren Auszeichnungen für sein Lebenswerk geehrt, sowohl auf georgischer als auch auf deutscher Seite. Er gilt als Philosoph der Schrift, als Existenzialist und verknüpft geschickt und verspielt die praktische und die politische Philosophie. Zu seinen erfolgreichsten Veröffentlichungen gehören „Kapitän Wakusch“, „Die große Korrektur“, „Muzal“ sowie die prosaische Sammlung „Der ungeworfene Handschuh: ontotextologische Versuche“. Mit der Nominierung für den Nobelpreis kommt ihm nun auch eine große internationale Anerkennung zu.
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