Film
Sundance Festival: Auszeichnung für „Sodvagari“ („The Trader“)
Der Dokumentarfilm „The Trader“ (dt.: „Der Händler“, im Original „Sovdagari“) der georgischen Regisseurin Tamta Gabrichidze wurde auf dem Sundance Film Festival in den USA mit dem Jurypreis in der Kategorie „Short Film Non-fiction“ ausgezeichnet.

Gela ist Händler und Hauptfigur des Films. Mit seinem alten, klapprigen Kleinbus fährt er von Dorf zu Dorf bis in die entlegensten Regionen von Georgien. Er bringt, was die Menschen brauchen, aber nicht selbst herstellen können. Und vor allem: Er tauscht, anstatt sich bezahlen zu lassen. Gela, ein großer Mann, trifft auf seinen Fahrten Familien und eindrückliche Charaktere, die das ländliche Georgien so besonders machen. Glühbirnen, Seife, Socken, Backformen, Kinderspielzeug oder Bürsten wechseln aus dem Innenraum seines Busses den Besitzer. Gela erhält dafür meist Kartoffeln. „Was kostet das Paar Stiefel?“ „25 Kilogramm Kartoffeln“.

„25 Kilogramm Kartoffeln“


Es ist ein wenig, als nehme der Händler den Zuschauer in seinem Bus zwischen all den Waren und Kartoffeln mit auf eine Reise in die Vergangenheit, in eine Welt, in der die technischen Errungenschaften der modernen Gesellschaft erst langsam Einzug finden und wo die Arbeitskraft aller gebraucht wird, um der so scheinbar tristen Landschaft den Lebensunterhalt abzutrotzen.

Mehrfach ausgezeichnet und auf Netflix verfügbar

Die Kamera fängt das Leben der Bewohner, die Gelas Weg kreuzen auf einmalige Art ein und bietet den Zuschauern ein eindrückliches Erlebnis. Die Kamerawinkel, Unschärfen, Farbgebung und Kontraste setzen die Menschen im Film in den Mittelpunkt. Das Resultat ist großes Kino in eindrückliche 23 Minuten gebettet. Trotz der Kürze des Films erweckt die Regisseurin Gabrichidze dabei die Vorstellung einer langen Reise durch entfernte Regionen. Dieses Gefühl und das Porträt der Menschen machen „Sovdagari“ zu einem großartigen Werk.

Die Menschen im Fokus


Schon auf dem HotDocs Filmfestival in Kanada 2017 erhielt Gabrichidze für ihren Film einen Preis. Mit der Auszeichnung auf dem Sundance Film Festival, das unter Liebhabern von Filmen abseits der Hollywood-Massenproduktionen als ein wahres Mekka gilt, dürfte sich die Aufmerksamkeit auf die junge georgische Regisseurin noch vergrößern. Der US-Streamingdienst Netflix sicherte sich bereits die Rechte an „Sodvagari“ und wird den Film einem breiten internationalen Publikum zugänglich machen.
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