Kultur
David Lynch: Hollywood in Georgien
Hollywood-Regisseur David Lnych wird im November Georgien besuchen und plant dort das David Lynch Institut für Kinematografie aufzubauen und ein Filmfestival der ersten Klasse in den nächsten Jahren zu verwirklichen.

Der Regisseur von Filmen wie „Mulholland Drive“ oder der Serie „Twin Peaks“ engagiert sich über seine Stiftung, in der einige der bekanntesten Schauspieler aus Hollywood engagiert sind, für verschiedene soziale und gesellschaftliche Projekte. Die beiden Projekte in Georgien werden von der erst kürzlich gegründeten Niederlassung der Stiftung im Kaukasus koordiniert. Deren Direktor, Giga Agladze, traf sich bereits mit Vertretern des parlamentarischen Ausschusses für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die Ausschussvorsitzende Mariam Jashi zeigte sich erfreut über die Pläne der Lynch-Stiftung. Georgien käme dadurch häufiger die Ehre zuteil, internationale Filmstars willkommen zu heißen. Außerdem könnten die Projekte helfen, das junge und bisher sehr erfolgreiche georgische Kino weiter bekannt zu machen und die Ausbildung für angehende Kunstschaffende zu verbessern, so Jashi. Laut Agladze sei es das Ziel, Georgien zu einem Fixpunkt des Kinos und der Ausbildung in dem Feld in der Region zu entwickeln. Die Lynch-Stiftung will sich in Georgien außerdem für mehr Sicherheit im Verkehr und der Nachsorge von Patienten mit Traumata engagieren.

Bühne für das ganze Land

Das georgische Kino machte in den letzten Jahren bereits international von sich reden. Filme wie „Meine glückliche Familie“ eroberten ein internationales Publikum und wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. Zahlreiche Werke von georgischen Regisseuren gewannen dieses Jahr auf Filmfestivals in der ganzen Welt Preise. Dazu zählten „Scary Mother“, „Tangerines“, „Dede“ oder „8 Mintues“. Neben Spielfilmen erhalten Dokumentarfilme aus dem Land, das in jeder Hinsicht mehr und mehr auf die europäische und internationale Bühne drängt, vermehrt Aufmerksamkeit. Das Dokumentarfilmfestival Dok Leipzig beispielsweise stellt Georgien in seinem Länderfokus mit seiner Geschichte, seiner Gesellschaft und seinen Kulturen und Subkulturen vor. Dass nun mit David Lynch ein gefeierter Veteran des modernen Kinos diese Erfolge mit seiner Initiative würdigt, sehen Kommentatoren in verschiedener Hinsicht als bemerkenswert an. Einerseits könne so das georgische Kino seine Vielfältigkeit weiter entwickeln, Produktionsstandards verbessern und leichter an finanzielle Mittel gelangen. Daneben würden Besuche von Hollywoodstars, die in den letzten Jahren immer öfter auch zu politischen Themen Stellung beziehen, dem Land und seine Kultur einem noch breiteren Publikum eröffnen.
Szene aus
Szene aus "8 Minutes" (© Manhattan Short Film Festival)

Kino als Soft Power

Vor allem aber würden das Kino und der Film allgemein eine wichtige Rolle spielen in der Selbst- und Fremdwahrnehmung eines Landes und könne dazu beitragen, Kulturschaffende und andere Menschen zusammen über Landes- und Kulturgrenzen hinweg zusammenzubringen. Soft Power ist ein vielzitiertes Konzept. Die reiche Kultur des Landes kann für Georgien in dieser Hinsicht von großer Hilfe sein und einem kleinen Land eine Stimme geben. Unterhaltungsmedien böten zudem die Gelegenheit, Konflikte in der Gesellschaft zu benennen und diese einem breiten Publikum verständlich zu
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