Gesellschaft / Geschichte
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Der Film „Khibula“: Schwierige Aufarbeitung einer verworrenen Zeit
Mit seinem Film „Khibula“ (2017) nimmt sich der Regisseur Giorgi Ovashvili einer Person und eines Kapitels in der jüngeren georgischen Geschichte an, die noch immer für emotionsgeladene Diskussionen in Georgien sorgen: Der Film entwirft ein Portrait von Zviad Gamzakhurdia als ersten, demokratisch gewählten Präsidenten Georgiens nach Erlangung der Unabhängigkeit 1990/1991.

Der Film hat sich auch vorgenommen, die „charakterlichen Veränderungen“ zu beschreiben, die bei einem „politischen Führer“ zu beobachten seien, der sich von seinen Anhängern verraten und im Stich gelassen fühlt. So zumindest formuliert es der Regisseur.

„Ich bin der Präsident!“


Giorgi Ovashvili gilt nicht nur in Georgien als talentierter Regisseur. Mit Filmen wie „Corn Island“ und „The Other Bank“ fand er auch außerhalb seiner Heimat ein Publikum und Respekt bei der Kritik. Mit „Khibula“ wagt er sich an ein brisantes Thema: Gamsakhurdia, mit überwältigender Mehrheit der Bevölkerung als demokratischer Präsident gewählt, verwandelte sich binnen weniger Monate in einen autokratischen Despoten. Auch aus dem Ausland schaute man immer besorgter auf ihn. Bis, weniger als ein Jahr nach seiner Wahl, Demonstranten, unterstützt von georgischem und russischem Militär, seinen Amtssitz stürmten und ihn durch Eduard Schewardnadze ersetzten, der wenig später in einer ‚demokratischen‘ Wahl als zweiter Präsident des unabhängigen Georgiens auch bestätigt wurde.

Ein Mann voller Widersprüche. Ein Film zwischen Fakten und Fiktion.


Doch einer wie Gamsakhurdia ließ sich nicht einfach „wegputschen“ oder gar vertreiben. „Ich werde das Land nicht verlassen. Ich bin der Präsident“, lässt ihn der Film denn auch mit Verbitterung sagen, während er in Anzug und Krawatte durch Matsch, Schnee und Bergbäche watet, umgeben von Männern in zerschlissener Kleidung, manche mit Kalaschnikows bewaffnet.

Dem Regisseur gelingen eindrucksvolle Bilder. Die Schauspieler zeichnen markante Figuren. Jede Einstellung wird zur Metapher und der Film insgesamt zur Parabel über Einen, der antrat, die Freiheit in einem lange unfreien Land zu installieren und letztlich zum Verräter an dieser Aufgabe wird, weil er gar nicht verstanden hat, was Freiheit wirklich ist und was die banalste, zugleich aber unabdingbar wesentlichste Voraussetzung für die Freiheit einer Gesellschaft ist: Dass man ihr Freiheit gibt.

Das Problem des Films ist, dass er Fakten mit Fiktion vermischt. Dass er vordergründig historische Persönlichkeiten und Geschehnisse beschreibt; im Detail aber sehr erheblich abweicht von dem, was wirklich geschah. Und, bewusst oder unbewusst, willentlich oder unwillentlich subjektive Deutung als objektive Wahrheit suggeriert.

Der Film spaltet die Kritik

Das macht den Film für die einen zu einem großen Werk, während andere einen unseriösen und unstatthaften Versuch der Geschichtsklitterung in ihm sehen – und in diesem Zusammenhang, nicht ganz zu Unrecht auch die Frage stellen, woher die Gelder zur Produktion des Filmes kamen. Wer hat ein Interesse daran, das Bild eines ganz ohne Zweifel persönlich schwachen, politisch zunächst beeinflussbaren, dann auf groteske Weise sturen, ja: despotischen Menschen, so zu korrigieren, dass daraus ein einsamer Held wird, der verlassen wurde von einem einfältigen Volk, das nicht begriffen hat, warum er tun musste, was er tat.

Während er im wortwörtlichen Sinne noch nach Wegen zurück an die Macht gesucht hat, wurde Gamsakhurdia in einem Bergdorf namens Khibula mit einer Kugel im Kopf gefunden. Ob er selbst abdrückte, oder erschossen wurde, ist bis heute ungeklärt. Besser könnte der Nährboden für Spekulationen und Verschwörungstheorien nicht sein.

Fehlende politische Inhalte

In Georgien hat der Film – zurecht – eine heftige Diskussion auch darüber ausgelöst, wie die Kunst – in diesem Fall das Kino – mit historischen Stoffen umzugehen hat; wie weit die künstlerische Freiheit geht – und wo sie endet.

„Khibula“, so kritisieren die einen, verpasse die Chance, die politischen Zusammenhänge jener Zeit zu durchleuchten und die Widersprüche von Gamsakhurdia zu zeigen, anstatt ihn zum gescheiterten Helden zu stilisieren.

Der Film “Khibula“ stößt deshalb nicht nur bei Cineasten auf Widerspruch; er löst auch Unbehagen bei politischen Beobachtern und Analytikern des Geschehens in Georgien aus: Kornely Kakachia, Direktor des Georgian Institute for Politics, sieht in dem Film eine verpasste Chance. Der Nachholbedarf bei der Aufarbeitung der nationalen Geschichte sei immens; denn viele Themen der späten 80er und der 90er Jahre hätten keineswegs an Relevanz verloren: Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit; Anbindung an den Westen; territoriale Integrität. „Khibula“ indes begrabe alle wesentlichen Fragen unter grandiosen Bildern. Und genau damit füge er sich in die lange Liste jener georgischen Filme, die ihr Publikum lieber staunend und schweigend, als aufgewühlt und fragend hinterlassen.

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