Gesellschaft / Geschichte
Tbilisi, der „Hotspot für Hollywood und alle Hipster“
Dem Feuilleton des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN gilt Georgiens Hauptstadt Tbilisi als eine von sieben Städten weltweit, die aufgrund ihrer Kunst-, Design- und Kulturszene in diesem Jahr auf jeder Merkliste stehen sollten – neben Paris, Tokyo oder Toronto.

Unter dem Zusatz „der Hotspot für Hollywood und alle Hipster“ schreibt CNN über Tbilisi, dass die Stadt in den letzten 18 Monaten einen fast schon kometenhaften Aufstieg in der Wahrnehmung der internationalen Szenekundigen genommen habe und über Nacht zu einem der Top-Reiseziele geworden ist. Inzwischen sei Tbilisi einer der wichtigen Hubs für Mode, Kunst und Kreativität. Als Höhepunkte sieht CNN die Mercedes-Benz Modewoche (findet im November statt), die Musik- und Technoszene, sowie die Möglichkeit neue Weinsorten in der Stadt zu verkosten. Der letzte bekannte Bewunderer der Kultur sei Starregisseur David Lynch, der plant eine Akademie und ein Filmfestival aufzubauen.

Geplanter Aufstieg

Ganz so unerwartet, wie von CNN beschrieben, sei der Aufstieg der Stadt jedoch nicht, versichern Kenner. Die georgische Regierung unternimmt seit Jahren ungemeine Anstrengungen, der Tourismusbranche eine größere Rolle in ihrem Land zukommen zu lassen. Nicht nur die reiche Kultur und die vielgerühmte Gastfreundschaft der Georgier halfen dabei, dieses Ziel umzusetzen. Auch die fantastischen Landschaften, eine aufregende Küche, der generelle Geruch nach Aufbruch und die Positionierung des Landes als immer wichtigerer wirtschaftlicher und politischer Partner des Westens, aber auch der Länder in der Region haben dabei geholfen, dass Georgien praktisch wiederentdeckt wurde, nachdem es bereits in den letzten Jahrhunderten Reisende aus aller Welt anzog.

Motor für das Land


Die Hauptstadt, in der heute mehr als ein Drittel aller Einwohner leben und die der Motor der Wirtschaft, aber auch Vorreiter in den umfassenden Reformen der Regierung ist, spiegelt diese Entwicklung dementsprechend besonders deutlich wieder. Die große Freiheit und Kreativität der Stadt haben Tbilisi in deutschen Medien im letzten Jahr immer wieder den Vergleich mit dem „alten“ Berlin nach der Wende eingebracht, als unbegrenzter Platz und wenige Regeln zu einem kulturellen Aufschwung verschiedener Szenen führten.
George Nebieridzes Fotos zeigen, warum Tbilisi als das neue "alte" Berlin gilt (© Telekom/George Nebieridze)

Kultureller und wirtschaftlicher Aufstieg

Unterstützt wird diese Entwicklung in Tbilisi durch die Förderung innovativer Technologien und Berufsfelder, den stetigen Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, die Restauration und Modernisierung von großen Teilen der Stadt, sowie den Ausbau der Bildungseinrichtungen. Das alles zieht junge, kreative Menschen aus Georgien, der Region und der ganzen Welt an und mit ihrem Eintreffen verwachsen georgische Traditionen, die landestypische Mode und die Liebe für Musik zu einer neuen Kultur, die kreative Blüten treibt und sich auch wirtschaftlich auszuzahlen scheint: Tbilisi wird im Global Cities 2030 Bericht von Oxford Economics als die europäische Stadt mit der erwartungsgemäß größten wirtschaftlichen Wachstumsrate (5,2%/Jahr) bis 2030 gewertet.
Eine junge, kreative Szene hat sich in Tbilisi entwickelt - Wirtschaft und Kultur profitieren (© GeorgiaStartsHere)
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