Gesellschaft / Geschichte
Jüdisch-georgische Geschichte wird "nationales Kulturerbe"
Georgien hat die jüdisch-georgische Geschichte und Tradition zum nationalen Kulturerbe erklärt und die UNESCO offiziell darum ersucht, das kulturelle Erbe der jahrtausendealten Gemeinschaft in die Liste des immateriellen Welt-Kulturerbes aufzunehmen.

Im David Baazov Museum für jüdische Geschichte in Tbilisi kamen Vertreter der jüdischen Gemeinde und der georgischen Regierung zusammen, um den Beschluss in einem Festakt zu besiegeln. Premierminister Giorgi Kvirikashvili sprach davon, dass 2600 Jahre friedvoller gemeinsamer Geschichte nicht möglich gewesen wären, ohne „größtmögliche gegenseitige Zuneigung“. Beide Kulturen hätten über Jahrtausende voneinander profitiert und sich gegenseitig tief geprägt.

Aus der babylonischen Gefangenschaft nach Georgien

Wann oder warum die ersten Menschen jüdischen Glaubens nach Georgien ist nicht sicher verbrieft. Vermutlich kamen die ersten Juden aus der babylonischen Gefangenschaft nach Georgien. In Georgien waren Juden zweieinhalb Jahrtausende vor Verfolgung sicher, bis unter Stalin gezielte, antisemitische Pogrome zu Vertreibung und Ermordung Hunderttausender führten.

Aufgrund ihrer tiefen Verwurzelung in der georgischen Gesellschaft jedoch gab es auch Formen der Solidarität, die ein Wiederaufleben der jüdischen Kultur bereits nach Stalins Tod ermöglichten. Weit verbreiteten Antisemitismus hat die georgische Gesellschaft nie gekannt. Stattdessen ist Georgien geprägt von einer in Europa vermutlich einzigartigen religiösen und philosemitischen Toleranz.

Angeblich soll sogar während der Stalin-Zeit keine Synagoge geschlossen worden sein.

Trotzdem wanderten immer mehr georgische Juden nach Israel und die USA aus, so dass sich die Gemeinschaft der in Georgien lebenden Juden auf wenige Tausend verringert hat Insgesamt werden weltweit 250.000 Menschen zur Gemeinschaft der georgischen Juden gerechnet.

Nicht nur die zahlreichen Synagogen zeugen von einer lebendigen georgisch-jüdischen Kultur. An jüdischen Festen wie Chanukka nehmen regelmäßig auch Vertreter der nicht-jüdischen Gemeinschaften teil. Auch mit Israel unterhält Georgien exzellente Beziehungen.
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