Kultur
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Ein Toast von Armin Huttenlocher
Gaumarjos - Es ist bewiesen: Georgien ist die Wiege des Weins!
Wer je georgische Luft geatmet, die Sonne hinter dem Kaukasus aufgehen und die Tautropfen von den Trauben in der weiten Ebene von Kakhetien trocknen sah; wer je zu Gast bei einer georgischen Supra war...

...und den so poetischen wie pathetischen Trinksprüchen des trinkenden und trinkenden, aber nie betrunkenen Tamada gefolgt ist; wer auch nur ein einziges Mal in einem georgischen Weinkeller stand, als die Kvevri - die im Boden eingelassenen Tonamphoren - gereinigt, befüllt oder, am Besten, unter Hochspannung aller Umstehenden, Monate später wieder geöffnet werden, um das vergorene Ergebnis zu kosten - wer das erlebt hat, der hatte nie einen Zweifel daran, was jetzt höchst wissenschaftlich bewiesen wurde: Sie waren die Ersten!

Niemand hat vor den Georgiern Trauben gekeltert, den Saft - mal mit, mal ohne Maische - in Gefäße gefüllt, den Vergärungsprozess sorgsam begleitet - und anschließend das Ergebnis ausgiebig gefeiert und besungen.

Was werden die Armenier und Iraner, die Franzosen, Spanier und Portugiesen sich jetzt ärgern: Eine einzige Tonscherbe, gefunden bei archäologischen Grabungen unweit von Tbilisi, und von Wissenschaftlern jetzt auf ein Alter von mindestens 8000 Jahren datiert, hat den bislang ältesten Beleg für eine Weinkultur - sechs Gefäße, die Ende der 1960er Jahre in Iran gefunden worden waren - um mehr als 1000 Jahre aus dem Rennen um den wahren Ursprung aller Kultur geschlagen.

1000 Jahre. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Vor 1000 Jahren eroberte Byzanz gerade Makedonien zurück und auch Salerno und Capua fallen in seine Hände; etwas weiter nördlich muss Heinrich II. nach dem Frieden von Bautzen um seine Reputation als starker Herrscher fürchten und noch etwas weiter nördlich fällt Schottland an „Engeland“.

1000 Jahre länger Wein. 1000 Jahr länger gepflegtes Trinken. 1000 Jahre länger Hochkultur.

Nun müssen die Wissenschaftler nur noch belegen, dass die Friedfertigkeit, mit der die Georgier durch die 8000 Jahre gekommen sind (gewehrt haben sie sich durchaus, aber selbst aus Machtgier und Eroberungslust in den Krieg gezogen sind sie nicht), in einem nicht nur konditionalen sondern auch kausalen Zusammenhang damit steht.

Georgien mag, von Brüssel, Paris, Berlin aus gesehen, weit im Südosten und am Rand von Europa liegen. Georgien mag ein kleines Land ohne Öl, Gas oder dergleichen banale Schätze sein. Aber Georgien hatte den Wein! Schon allein deshalb muss es Teil des europäischen Herzens sein!
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