Gesellschaft / Geschichte
100 Jahre Staatliche Universität Tbilisi
Bildung, die ein ganzes Land prägt
Die Staatliche Ivane Javakhishvili Universität von Tbilisi (TSU) wird 100 Jahre alt. Mehr noch als das Jubiläum selbst, ist die symbolische Bedeutung der Universität ein Anlass für Rückblick, Ausblick und die Würdigung einer Institution, die Georgien wie kaum eine andere im 20. Jahrhundert geprägt hat.

Maßgebende Institution eines turbulenten Jahrhunderts

Mit ihrer Gründung am 8. Februar 1918 ist die TSU nicht nur die älteste Universität Georgiens, sondern auch die älteste der ganzen Kaukasusregion. Fast Zeitgleich mit dem Fall des russischen Kaiserreiches läutete auch die Gründung der Universität eine neue Ära in der Entwicklung der georgischen Eigenstaatlichkeit ein.

Auch als diese neu errungene Souveränität Georgiens durch die Tumulte des 20. Jahrhunderts und rund 70 Jahre Sowjetunion angefochten wurde, blieb die TSU eine sinnstiftende Instanz für die Entwicklung der georgischen Gesellschaft und Politik. In einer Zeit, in der unter der Sowjetunion ein jedes Streben nach nationaler Identität als Rebellion gegen das System verstanden wurde, blieb die TSU genau das, was vielerorts in der damaligen Zeit für unwahrscheinlich galt: Ein Ort, an dem Kultur begründet, Geschichte gesammelt und Entwicklung gestaltet wurde.

Georgische Politik würdigt Leistung der TSU

Es überrascht somit nicht, dass auch die höchsten Repräsentanten des heutigen Georgiens anlässlich des Jubiläums mit Stolz und Anerkennung auf die prägenden Eigenschaften der Universität verweisen.

Der georgische Präsident Giorgi Margvelashvili würdigte die Universität, die „eine wichtige Rolle in der intellektuellen Entwicklung“ gespielt und einen maßgebenden Beitrag zu „öffentlichen und politischen Prozessen“ in Georgien geliefert habe. „(Sie) war das Zentrum, an dem wir Wissen anreicherten und wir unserer Identität erinnert wurden“, so Margvelashvili.

Der georgische Premierminister Giorgi Kvirikashvili nannte die TSU ein „kulturelles Zentrum“, dass sinnbildlich für die Tatkraft und die Identität Georgiens stünde.

Auch der georgische Außenminister Mikheil Janelidze würdigte das Schaffen der Universität. In der „Wiederherstellung von Georgiens mentaler Souveränität“ habe die TSU „immense Beiträge hin zur Bildung einer neuen Generation mit demokratischen Werten“ geliefert.

Irakli Kobakhidze, Vorsitzender des georgischen Parlaments, sprach der Universität die Rolle eines „Garanten für die georgische Identität und Georgiens Zukunft in Europa“ zu.

Festakt zum Jubiläum

Die Festlichkeiten zum Jubiläum der Universität fanden unter der Schirmherrschaft der UNESCO statt. Sie wurden begleitet von zahlreichen hochrangigen Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Religion.


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