Gesellschaft / Geschichte
© Armin Huttenlocher
Eine Fotodokumentation von Armin Huttenlocher
„Niemals bekommen sie diesen Ort. Nicht solange ich lebe.“
Ein Jahr nach dem Ende des „Augustkrieges“ reiste Armin Huttenlocher, im Sommer 2009, in das Gebiet nahe der sogenannten Verwaltungslinie des von Russland besetzten Süd-Ossetien.

Direkt an der Hauptstraße stand früher das Haus von Giorgi M.:

„Wir schliefen, als wir von Explosionen und Motorenlärm geweckt wurden. Sehen konnten wir nichts, weil unser Haus hinter dieser Kurve liegt. Aber dann hörten wir Schreie. Leute kamen gerannt. Im Schlafanzug. Ihre Kinder auf dem Arm. Dann sahen wir Feuer und der Lärm der Motoren wurde unerträglich. Der Boden bebte wie bei einem Erdbeben, als die Panzer um die Ecke kamen. Einer hinter dem anderen. Oben aus den Luken schauten die Soldaten heraus und schrien Unverständliches. Dann drehte sich das Geschütz in unsere Richtung und ein Feuerball traf unser Dach. Was hatte ich ihnen getan? Mit einem Schuss haben sie mir alles genommen, was mein Leben war. Meine Frau. Meine Tochter. Mein Haus. Wozu noch leben? Was Du hier siehst, mein Bruder, ist das, was übrigbleibt, wenn der große Bär mit seiner Pfote auf uns schlägt. Möge Gott den Soldaten vergeben. Sie waren jung. Sie wussten nicht wie schlecht die Hand war, die sie geschickt hat. Ich bleibe hier. Das ist der Ort, an dem mein Leben begraben ist. Aber niemals werden sie diesen Ort bekommen. Nicht, so lange ich lebe.“

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Giorgi M. vor seinem Haus: "Mit einem Schuss haben sie mir alles genommen, was mein Leben war. Meine Frau. Meine Tochter. Mein Haus." © Armin Huttenlocher
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