Gesellschaft / Geschichte
OC Media / © Mari Nikuradze
Nach Drohungen: Demonstration gegen Homophobie abgesagt
Die georgische Menschenrechtsorganisation The Equality Movement hat eine Kundgebung abgesagt, die für den internationalen Tag gegen Homophobie am morgigen 17. Mai geplant war. Als Grund haben die Veranstalter Drohungen von homophoben Gruppierungen angegeben.

Es sei bekannt, dass ultrakonservative und rechtsradikale Bewegungen zu massiven homophoben Protesten aufgerufen hätten und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken würden, so die Stellungnahme der Menschenrechtsorganisation. Im Interesse der eigenen Anhänger sehe man sich deshalb gezwungen, die geplante Veranstaltung abzusagen. Erst kürzlich hatte eine Neonazi-Bewegung in Tbilisi ihren „Feinden“ mit dem Tod gedroht. Die Bewegung bekennt sich offen als faschistisch und homophob.

Die Sprecher von The Equality Movement machten der Regierung den Vorwurf, in den letzten Jahren nicht genügend für den Schutz der LGBT-Gemeinschaft (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) getan zu haben. Seit den traumatischen Ereignissen am Tag gegen Homophobie 2013, als Tausende Menschen den Protest einer kleinen Gruppe von LGBT-Aktivisten gewaltsam unterbrachen, sei wenig geschehen, um die gesellschaftliche Stellung der LGBT-Minderheit zu stärken.

Nach Bekanntwerden der Absage der Demonstration gegen Homophobie gab die ultrarechte Bewegung „Marsch der Georgier“ ihrerseits bekannt, keinen eigenen Protest mehr organisieren zu wollen. Man wolle stattdessen am „Tag der reinen Familie“ teilnehmen, der am selben Tag stattfindet. Der von der georgisch-orthodoxen Kirche ins Leben gerufene Tag ist nach Auffassung von Beobachtern eine gezielte Gegenaktion der Kirche, um die öffentliche Aufmerksamkeit von den Demonstrationen für mehr Toleranz gegenüber der LBGT-Gemeinschaft zu lenken. Ein Sprecher der Kirche betonte aber, dass es sich beim „Tag der reinen Familie“ um eine friedliche Aktion handle, die den Stellenwert der Familie in Georgien hervorhebe und kein homophober Protest sei. Unter anderem solle durch die Aktionen am „Tag der reinen Familie“ auf die gestiegenen Scheidungsraten hingewiesen werden.

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