Politik
Transparency International Georgien: Umfrage zu Vertrauen in Institutionen
Die Kirche genießt in Georgien das größte Vertrauen in der Bevölkerung. Dies geht aus einer Meinungsumfrage der Nichtregierungsorganisation Transparency International hervor.

Rund 53% der 1800 Befragten gaben an, dass sie der georgisch-orthodoxen Kirche und religiösen Institutionen allgemein vertrauten. Nur die Berufsgruppe der Lehrer erhielt einen ähnlichen Wert. Unter allen politischen Ämtern genoss zum Zeitpunkt der Befragung im März das Amt des Präsidenten laut Umfrage das höchste Vertrauen, vor Regionalregierungen und dem Amt des Premierministers. Das Parlament wurde mehrheitlich als politische Institution genannt, der am wenigsten vertraut werden könne.

Medien in der Vertrauenskrise

Als bedingt, beziehungsweise wenig vertrauenswürdig nannten die Befragten Nichtregierungsorganisationen, Gerichte und die Medien, die von allen Institutionen und Ämtern das geringste Vertrauen genossen. Der Grund dafür wurde in der Umfrage nicht genauer untersucht. Ein Indiz für das geringe Vertrauen in die Medien liefere aber die nach Ansicht der Befragten klare Positionierung der wichtigsten Fernsehsender als entweder klar regierungskritisch (Rustavi 2) oder regierungstreu (Imedi, Channel 1).

Alltagskorruption besiegt

Neben dem Vertrauen der Bevölkerung in verschiedene Institutionen erforschte die Umfrage die Meinung zu weiteren Entwicklungen im Land. Den Ergebnissen zufolge kann beispielsweise die Alltagskorruption im Land als besiegt angesehen werden. 99% der Befragten gaben an, dass weder sie, noch Familienmitglieder aufgefordert worden seien, für einen öffentlichen Dienst Schmiergeld zu zahlen. Personen in öffentlichen Ämtern werden aber mehrheitlich verdächtigt, sich aus ihren Positionen heraus persönliche Vorteile zu verschaffen.

Mehrheit für niedrigere Strafen für Drogenkonsum

Interessant ist vor dem Hintergrund der Proteste am Wochenende gegen eine Razzia der Polizei in den beliebtesten Clubs von Tbilisi, dass sich bei der Befragung bereits im März eine Mehrheit von 72% der Befragten dagegen aussprach, den Konsum von weichen Drogen mit Haftstrafen zu sanktionieren. Auch für den Konsum von sogenannten Partydrogen solle es nach Meinung von 56% keine Haftstrafen geben. Eine zentrale Forderung der Protestierenden in Tbilisi ist eine Neuausrichtung im Umgang der Politik und der Justiz mit dem Konsum und Missbrauch von Rauschmitteln.

Transparency International, die führende internationale Nichtregierungsorganisation im Kampf gegen Korruption, führte die Umfrage im März 2018 durch. Nach Angaben der NGO wurden 1843 Georgier befragt. Die Fehlergrenze lag bei 2,8%.
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