Gesellschaft / Geschichte
Demonstranten für mehr Frauenrechte inTbilisi (© Tabula.ge)
Rücktritte nach Belästigungsvorwürfen
Anschuldigungen von sexueller Belästigung in zwei Fällen haben in Georgien für Aufsehen gesorgt und könnten am Anfang einer Diskussion über das korrekte Miteinander der Geschlechter und die Rolle der Frauen in der Gesellschaft stehen.

Die Frauenrechtsorganisation „Georgian Women´s Movement“ machte den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen den Direktor einer Bürgerrechtsorganisation just zu dem Zeitpunkt öffentlich, als dieser für das Kuratorium des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von Georgien nominiert wurde. Mehr als zehn Frauen, die anonym blieben, beschuldigten ihn der sexuellen Belästigung. Verschiedene Medien veröffentlichten in den Tagen danach weitere Berichte von Frauen, die angaben ebenfalls von derselben Person belästigt worden zu sein. Der Beschuldigte trat wenig später von seinem Posten zurück, nicht ohne zuvor die Vorwürfe abzustreiten. Unterstützung erhielt er von mehreren Dutzend seiner (ehemaligen) Angestellten, die sich für ihn aussprachen.

In einem zweiten Fall trat ein ranghoher Beamter des Justizministeriums zurück. Eine Angestellte hatte dem Beamten vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben. Dieser reichte daraufhin seine Küdigung ein „um seine Familie und das Ministerium vor Anschuldigungen zu schützen“. Vorwürfe wurden aber auch Justizministerin Tea Tsulukiani gemacht. Sie habe den Beschuldigten geschützt und die Anschuldigungen heruntergespielt. Einzelne Kritiker forderten daher ihren Rücktritt.

Noch hat sich in Georgien keine Diskussion über die Rolle der Frauen in der Gesellschaft und über Sexismus in dem Maße entwickelt, wie sie derzeit beispielsweise in Deutschland geführt wird. In der georgischen Politik wird aber aktiv daran gearbeitet, dass Frauen besser repräsentiert werden. Der Vorsitzende des georgischen Parlaments, Irakli Kobakhidze, nannte den Umstand, dass Georgien weltweit nur auf dem 130. Platz in der Liste der Staaten mit dem höchsten Frauenanteil im Parlament stehe, „verstörend“. Kobakhidze warb intensiv für einen Gesetzesentwurf, der vorsah, den Anteil der weiblichen Abgeordneten auf 50% zu erhöhen. Der Entwurf wurde abgelehnt. Irakli Kobakhidze kündigte daraufhin an, das Ziel, die gerechte Repräsentation von Frauen in der Politik, mithilfe eines neuen Gesetzesentwurfs für eine stetig steigende Frauenquote erreichen zu wollen.


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