Gesellschaft / Geschichte
Ultrakonservative belagern Fernsehsender
Mehrere Dutzend Ultrakonservative und Nationalisten versammelten sich vor dem Sitz des Fernsehsenders Rustavi 2 in Tbilisi. Sie verlangten eine Entschuldigung des Senders, nachdem sich der Journalist Giorgi Gabunia nach Ansicht der Protestierenden abfällig über die georgisch-orthodoxe Kirche geäußert habe.

Wörtlich sagte Gabunia: „Ich glaube Jesus Christus hat einen großen Fehler gemacht, als er vor 2000 Jahren in Israel predigte. Wäre er vor zwei bis drei Jahren nach Adjara gekommen, hätte ihn niemand kreuzigen können, weil es keinen einzigen Baum mehr in der Region gab, aus dem man ein Kreuz hätte machen können.“ Er bezog sich damit dem Vernehmen nach auf die Aktionen des Milliardärs Bidzine Ivanishvili, der mehrere große Bäume in Adjara samt Wurzeln ausgraben und auf sein Anwesen in Tbilisi bringen ließ.

Fast ausschließlich männliche Personen, manche von ihnen vermummt, versperrten während der Protestaktion die Zufahrt zum Gebäude des Senders und umstellten und beschädigten das Auto eines Journalisten. Dieser erlitt dabei leichte Verletzungen und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Die ultrakonservative Bewegung „Marsch der Georgier“ hatte zu der Protestaktion aufgerufen.

Die Polizei löste den Protest auf und verhaftete sechs Personen vorübergehend. Es wurden Verfahren wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung eingeleitet.


Die Polizei riegelte das Gebäude von Rustavi 2 ab (© 1TV).

Der Sender entschuldigte sich in der Zwischenzeit für die Äußerungen von Gabunia. Ein Sprecher von Rustavi 2 schloss die Personen, die sich vor dem Gebäude versammelt hatten, explizit von der Entschuldigung aus. Diese könne man aufgrund ihres Verhaltens nicht als Christen bezeichnen.

Strafverfahren eingeleitet

Das georgische Innenministerium gab bekannt, dass mittlerweile fünf Personen im Zusammenhang mit dem Vorfall verhaftet worden sind.

Den verhafteten Personen wird vorsätzlicher Vandalismus vorgeworfen. Das georgische Strafgesetzbuch sieht dafür eine Höchststrafe von bis zu fünf Jahren vor. Es wurden keine Angaben dazu gemacht, ob die Verhafteten der ultrakonservativen und nationalistischen Bewegung „Marsch der Georgier“ angehören.

Update: Dieser Artikel wurde am 21.03.2018 um 16:00 ergänzt.
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