Gesellschaft / Geschichte
LGBT-Demonstranten in Tbilisi mit Eiern beworfen
Auch Eierwürfe wütender Gegendemonstranten konnte sie nicht aufhalten: Eine Demonstration von Mitgliedern der LGBT-Gemeinde (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) hat in Tbilisi einfachere Verfahren für die Änderung der Geschlechtsangabe in georgischen Ausweisen gefordert.

Der Gruppe an LGBT-Aktivisten stand vor dem Justizministerium in Tbilisi eine ungleich größere Gruppe an Gegendemonstranten gegenüber, angeführt von der „Union der orthodoxen Eltern“, einer konservativen Gruppierung, die bereits in der Vergangenheit mit homophoben Äußerungen und Aktionen aufgefallen war.

Der Versuch allerdings, die ordnungsgemäß beantragte und friedliche LGBT-Aktion durch Beschimpfungen und Bewerfen mit rohen Eiern zu stören, wurde von der Polizei unterbunden. Ein Mitglied der Gegendemonstration wurde vorübergehend festgenommen und muss mit einer Anzeige wegen Körperverletzung und Störung der öffentlichen Ordnung rechnen.

Im christlich-orthodox geprägten Georgien gelten Homosexualität und alle damit verbundenen Themen noch weithin als Tabu. Mehr und mehr wagen es Homosexuelle und Transgender jedoch, sich zu "outen" und öffentlich ihre gesellschaftliche Anerkennung einzufordern. Diese Entwicklung wird bestärkt durch eine zunehmend tolerante Haltung, die sich nicht zuletzt in den Foren der sozialen Netzwerke erkennen lässt.

Auch georgische Politiker und sogar Vertreter der georgisch-orthodoxen Kirche haben sich in der jüngeren Vergangenheit verschiedentlich mit einem Aufruf zu mehr Toleranz auf die Seite der LGBTler gestellt und dabei die aggressive Vorgehensweise konservativer Gruppen stark kritisiert.
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