Gesellschaft / Geschichte
Weihnachten in Georgien
Während Christen in Deutschland der Ankunft der Heiligen Drei Könige gedachten, feierten die Angehörigen der georgisch-orthodoxen Kirche mit landesweiten Gottesdiensten in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar die Geburt und Menschwerdung von Gottes Sohn.

Patriarch Ilia II. beglückwünschte in der traditionellen Mitternachtsmesse an Heiligabend vor dem Weihnachtsfeiertag alle Georgier zu dem Festtag. Gleichzeitig machte er in seiner Ansprache in der Kathedrale in Tbilisi aber auch deutlich, dass Weihnachten nicht nur ein Tag der Freude und des Feierns sei, sondern auch des Innehaltens und des Nachdenkens über die Probleme der Zeit.

Ernste Themen in den Tagen der Besinnung

Konkret forderte er vor den versammelten Gläubigen, unter ihnen zahlreiche Vertreter aus Regierung, Parlament, gesellschaftlichen und kulturellen Organisationen, ein Umdenken im Umgang mit Drogenabhängigen.

Georgien brauche Gesetze, die junge Leute vor dem Drogenmissbrauch schützen und Abhängigen dabei helfen könnten, ihre „Krankheit“ zu besiegen. Es bedürfe mehr Aufklärung und der Eröffnung neuer Rehabilitationskliniken, so Patriarch Ilia II. Weiterhin warnte das Kirchenoberhaupt vor den Auswirkungen der derzeitigen demographischen Entwicklung in Georgien und mahnte auch hier ein Gegensteuern an – Kindergärten, Schulen und Universitäten müssten noch mehr gefördert werden. Die Ansprache des Patriarchen, der in Georgien höchstes Ansehen genießt und wiederholt mit klaren politischen Worten Impulse gegeben hat, die von der Politik sehr ernst genommen wurden, wurde aus gesundheitlichen Gründen, aber in persönlicher Anwesenheit des Patriarchen, von einem Stellvertreter vorgetragen.
Gläubige auf dem Weg zum Mitternachtsgottesdienst vor der Kathedrale von Tbilisi an Heiligabend (© The Japan Times)
Gläubige auf dem Weg zum Mitternachtsgottesdienst vor der Kathedrale von Tbilisi an Heiligabend (© The Japan Times)

Weihnachten nach dem julianischen Kalender

Viele Angehörige der christlich-orthodoxen Kirchen begehen Weihnachten nach dem julianischen Kalender am 7. Januar oder in den Tagen davor oder danach. An Heiligabend stellen Georgier Kerzen in ihre Fenster. Das Fest selbst steht, wie die gesamte Gesellschaftsstruktur, im Zeichen der Familie. Eine uralte Tradition, die in den letzten Jahren neuen Zuspruch fand, ist der sogenannte Alilo-Zug. Benannt nach einem traditionellen Weihnachtslied, ziehen vor allem Kinder durch die Straßen und sammeln Geschenke für Bedürftige.

Ein Video mit Eindrücken vom diesjährigen Alilo-Zug finden Sie hier:

(Quelle: Youtube/ David Shinjikashvili)

Anlässlich des Weihnachtsfests sendeten auch Präsident Giorgi Margvelashvili und Premierminister Giorgi Kvirikashvili ihre Glückwünsche an die Bevölkerung.
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